„Handel der Gefühle“ Leonardo Padura

Teniente Mario Conde ist verliebt. Diesen Umstand verdankt er einer Autopanne seiner Angebeteten. Er hilft ihr und fortan ist ihm nicht mehr zu helfen – behauptet jedenfalls sein bester Freund der dünne Carlos, der nicht mehr dünn ist.
Doch statt einige freie Tage genießen zu können, die dem Tienente nach der Lösung seines letzten Falles gut getan hätten, brummt ihm sein Chef schon wieder so ein seltsames Ereignis auf: Eine junge Chemielehrerin ist tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden. In ihrem unmittelbaren Umfeld entdeckt man Marihuana. Außerdem soll an diesem verhängnisvollen Abend eine Party stattgefunden haben, bei der ihre Schüler anwesend waren.
Wird in Condes alter Schule, in der er „… erwachsen wurde …“, Rauschgift umgeschlagen? Für Mario Conde ist dieser Fall eine Zerreißprobe zwischen der alten Zeit, als er noch an diese Schule ging, der dünne Carlos noch dünn war und seinem Leben in der Gegenwart.

„Handel der Gefühle“ ist der zweite Teil des Havanna – Quartetts. Diese Romane zeigen das Leben in Kubas Hauptstadt im Jahr 1989 (mit Rückblicken in die 1970er). Deshalb sollte der Untertitel meiner Meinung nach nicht einfach „Frühling“ lauten, sondern Frühling 1989 wie es auch auf den ersten Seiten steht. Die Jahreszahl ist wichtig, betrachtet man als Leser das Leben in Havanna dieser Zeit unter dem Blickwinkel der politischen Ereignisse jenes Jahres.
Beschäftigt man sich mit der Handlung aller vier Bücher, erschließt sich der Gesellschaftsroman als solches. Liest man nur ein Buch, öffnet sich dem Leser ein Krimi im Herzen der Karibik mit jeder Menge Melancholie, Rum und Zigarren.

Das Havanna – Quartett
Teil 1: „Ein perfektes Leben“ – Winter
Teil 2: „Handel der Gefühle“ – Frühling
Teil 3: „Labyrinth der Masken“ – Sommer
Teil 4: „Das Meer der Illusionen – Herbst

ISBN: 978 3 293 20352 5
Verlag: Unionsverlag
Aus dem kubanischen Spanisch von Hans – Joachim Hartstein

„Trügerisches Licht“ – Patricia Melo

Auf dem ersten Blick weht über Patricia Melos Krimiwelt ein Hauch von Aghata Christie. Beschäftigt man sich jedoch ausdauernd mit ihren Romanen, öffnet sich dem Leser eine gesellschaftskritische Welt – sie zeichnet Brasilien, Sao Paulo, in all seinen Schattierungen, nimmt kein Blatt vor den Mund.

„Trügerisches Licht“:
Im Mittelpunkt steht Kommissarin Azucena. In einer Männerwelt, durchsetzt von Vorurteilen nicht nur ihr gegenüber, sondern der Frau als solches gegenüber, kämpft sie in diesem merkwürdigen Fall eines scheinbaren Selbstmordes nicht nur gegen Anfeindungen aus ihren eigenen Reihen. Die Situation spitzt sich zu, als sie einen Kreis, bestehend aus Kripobeamten, ausfindig macht, die als Mörder in der Stadt ihr Unwesen treiben.
Selbst im Privatleben der Kommissarin (in den meisten Romanen finde ich dieses Beiwerk mittlerweile nur noch nervend) setzt sich die Kritik an Melos Stadt fort. Hier geht es um soziale Belange, um Korruption.

Klappentext:
Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.

Fazit:
Ein Politthriller, der alle Leser, die den politischen Krimi in seiner Ursprungsform (zum Beispiel „Roman über ein Verbrechen“ von Maj Sjöwall und Per Wahlöö ->wikipedia) schätzen lernten und immer auf der Jagd nach solchen Werken sind.

ISBN: 978 3 608 50215 2
Verlag: Tropen
Aus dem brasilianischen portugiesisch von Barbara Mesquita

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„Die letzten Tage der Nacht“ – Graham Moore

Dieser hypnotisierende Roman widmet sich einem der spannendsten Themen der Geschichte – dem Stromkrieg.

Detailgetreu, alle Momente der Begebenheit aufgreifend, entwickelt der Autor seine Erzählung um den ersten und bis zu diesem Zeitpunkt größten Patentstreit im Bereich des Rechtswesens. Hier geht es nicht nur darum, wer die Glühlampe erfunden hat – das war nur der Auslöser der Debatte – hier geht es vor allem um die Elektrifizierung Amerikas und der ganzen Welt.

Dieser hervorragend recherchierte Roman zeigt die Schwierigkeiten der für uns heute so selbstverständlichen Stromgewinnung als diese noch in ihren Anfängen lag.
Thomas Edison und George Westinghouse waren erbitterte Gegner: Der eine setzte auf Gleichstrom, nutzte eine Art Inselsystem (ein Generator zur Unterhaltung weniger Haushalte), der andere setzte auf das bis heute übliche System Wechselstrom – transportierbar über viele Kilometer und bei weitem ungefährlicher als Gleichstrom.

Faszinierend ist auch die Rolle des Nikola Tesla – auf seinen Ideen beruht das Wechselstromsystem, das bis heute in jedem Haushalt zur Verfügung steht.

Klappentext:
New York, 1888. Der junge Anwalt Paul Cravath steht in einem der größten Patentkriege aller Zeiten dem berühmten Thomas Edison gegenüber. Es geht um ein Wunder, um eine bahnbrechende Erfindung: die Glühlampe. Und damit um die Macht, das gesamte Land zu elektrifizieren. Edison ist ein verschlagener und gefährlicher Gegner mit einem Netzwerk aus Spionen, gekauften Journalisten und der Unterstützung von J.P.Morgan höchstpersönlich. Aber Paul teilt eine Eigenschaft mit Edison: den absoluten Willen zu gewinnen.

Fazit:
Ein Roman für alle technisch begeisterten Leser und für alle Fans historischer Literatur.

ISBN: 978 3 8479 0624 7
Verlag: Eichborn

Film: „In a Valley of Violence“

westernInhalt (amazon.de): Texas, 1890: Paul (Ethan Hawke) ist unterwegs nach Mexiko. In der gottverlassenen Stadt Denton – von ihren zwielichtigen Bewohnern nur „Valley of Violence“ genannt – trifft der Outlaw auf den berüchtigten Bandenführer Gilly. Die beiden geraten aneinander und es kommt zum Kampf. Weil er der Sohn des gnadenlosen Sheriffs (John Travolta) ist, lehnt sich kaum jemand gegen Gilly auf, doch Paul lässt sich nicht einschüchtern und stellt sich ihm als hartnäckiger Gegner in den Weg. Die Situation eskaliert und löst eine unberechenbare Kettenreaktion aus. Auf beiden Seiten wird der Ruf nach blutiger Rache immer lauter. Als dann auch noch ein grausames Geheimnis aus Pauls Vergangenheit ans Licht kommt, ist das Gemetzel nicht mehr zu stoppen …
„In a Valley of Violence“ ist ein packender, moderner Western mit Ethan Hawke und John Travolta, bei dem sich Action und Rache mit jeder Menge Blut und Staub vermischen.

Es war die Tatsache, dass Ethan Hawke die Hauptrolle in diesem Western spielte, die mich dazu bewog, mir diesen Film zu Gemüte zu ziehen. Er war auch in dem Remake von „Die glorreichen Sieben“ zu sehen, wo er mir sehr imponierte.
Auch hier ist Hawke als cleverer Außenseiter zu bewundern, der seine Figur mit fortschreitender Handlung immer weiter herausstellt und dessen Lebenslauf (ein ehemaliger Soldat der Nordstaaten, der des Tötens überdrüssig wurde) zur Handlung zwingt.

Der Film ist besonders für Liebhaber klassischer Italowestern geeignet. Vieles erinnert an „Django“ oder an die legendären Sergio Leone Klassiker. Wäre dieser Western in den sechziger Jahren entstanden, hätte ich mir auch sehr gut Clint Eastwood („Für eine Handvoll Dollar) in der Hauptrolle vorstellen können – Ein wortkarger Held, der zuviel in seinem Leben sah und in eine Lage gerät, die ihm einfach keine Wahl lässt.
Abenteuer, Rache, eine Spur Ironie – Der Italowestern ist zurück!

Darsteller:
Ethan Hawke
John Travolta
Taissa Farmiga
Karen Gillan
James Ransone

Produktionsjahr:
2015

Erscheinungstermin:
12.01.2017

Trailer (engl.)

„Ein perfektes Leben“ – Leonardo Padura

paduraDas neue Jahr beginnt prächtig: Leutnant Teniente Mario Conte hat so schwer mit einem Kater zu kämpfen, am liebsten würde er den Grund seines feuchtfröhlichen Feierns verfluchen. Genauso wie sein Telefon, dessen helles Läuten Tausende weitere Glocken in seinem Kopf zum Beben bringen. Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren, als er, den Telefonhörer mit schmerzverzerrtem Gesicht an sein Ohr haltend, den Auftrag erhält, einen Vermissten zu suchen.
Erst nach der Einnahme mehrerer Kopfschmerzmittel und dem Genuss tiefschwarzen Kaffees in Kombination mit einer Zigarette wird ihm bewußt, um wen es hier geht: Rafael Morin, ein ganz hohes Tier der kubanischen Wirtschaftselite!

Der Roman ist der erste Teil des „Havanna Quartett“. das Buch trägt den Untertitel „Winter“, eigentlich sollte da „Winter 1989“ darauf stehen – so steht der Titel auf den ersten Seiten und in dieser Zeit spielt die Geschichte.
In kurzen Rückblicken erzählt der Leutnant, wie die sozialistische Jugend der siebziger Jahre in Kuba aufwuchs. Während er an diesem Fall arbeitet, fällt auf, dass es auch in Kuba gewisse Ängste vor dem Zusammenbruch der sozialistisch regierten Länder jener Zeit gegeben haben muss.

Paduras Romane erzählen nicht nur von Kuba, sie atmen dieses für uns fremdartige Land mit all seinen Schattierungen. Man kann beinahe den Duft erlesener Zigarren und karibischen Rums ausmachen …

ISBN: 978 3 293 20344 0
Verlag: Unionsverlag

„Die Flut des Feuers“ – Amitav Ghosh

die-flut-des-feuers„Die Flut des Feuers“ ist der dritte und letzte Band der Ibis – Trilogie. Die Romane spielen in Britisch – Indien und Südchina in den Jahren zwischen 1838 bis 1842. Alle Romane lassen sich auch unabhängig von einander lesen, sie sind in sich geschlossen. Wer Wert auf den historischen Hintergrund legt, sollte die Trilogie jedoch im Ganzen und der Reihenfolge nach lesen.

Die ersten beiden Romane „Das mohnrote Meer“ und „Der rauchblaue Fluß“ beschäftigen sich mit dem Mohnanbau und den Opiumgeschäften zwischen Kalkutta (Britisch – Indien) und der chinesischen Provinz Kanton.
„Die Flut des Feuers“ beschreibt die Geschichte der Opiumkriege und deren verheerende Niederlage für China. Die Folge daraus war die Annektierung Hongkongs durch Großbritanien.
Der Leser verfolgt das Schicksal von Kesri Singh, einem Kommandanten der britisch – ostindischen Armee; Zachary Reid, ein verarmter Seemann, auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe und Shirin Moddie, die um die Hinterlassenschaften ihres gestorbenen Ehemannes, ein Opiumhändler, kämpft.

Trotz seiner Detailfreude ist der Roman so atmosphärisch dicht gezeichnet – man glaubt, neben den kampfesmutigen Soldaten durch die Reisfelder zu stapfen, die Feuchtigkeit des kniehohen Schlamms an den Beinen zu spüren, hört die Kanonenkugeln einschlagen, sieht stolze Kriegsschiffe ihre Bahnen ziehen.

ISBN: 978 3 89667 361 9
Verlag: Karl Blessing

Ibis – Trilogie Band 1
„Das mohnrote Meer“

das-mohnrote-meerKurzbeschreibung (von amazon.de):
1838: Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der »Ibis«, einem ehemaligen Sklavenschiff. Die »Ibis« ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. Und hinter der Mündung des Ganges wartet die Ungewissheit. Unterdrückung und Kolonialismus, das Aufeinanderprallen von Kulturen, Liebe und Hass sind die großen Themen bei Ghosh. Spannendes soziales Drama und literarischer Abenteuerroman zugleich.

Die junge Diti lebt und arbeitet mit ihrer 6-jährigen Tochter Kabutri und ihrem Mann Hukam Singh auf einer Mohnfarm. Diti hat Tagträume, Visionen, in denen sie ein Schiff unter Segeln sieht, das den Fluss herauf kommt. Noch nie war sie am Meer, am »Schwarzen Wasser«, und kann sich die Vision nicht erklären. Doch sie ahnt, dass sie vor einer großen Veränderung in ihrem Leben stehen könnte.
Bis zum Tag der arrangierten Hochzeit mit Diti hat Hukam seine Opiumsucht verschwiegen, die ihn längst zeugungsunfähig gemacht hat. Diti erfährt, dass sie in der Hochzeitsnacht unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt wurde. Als Hukam nach einem Unfall in der Fabrik stirbt, will Diti sich deshalb lieber verbrennen lassen, als mit ihrem Schwager zusammenzuleben. In letzter Sekunde wird sie von dem Unberührbaren Kalua gerettet und die beiden fliehen auf dem Ganges stromabwärts nach Kalkutta. Als sie nach einer abenteuerlichen Reise dort ankommt, erblickt sie das Schiff aus ihren Visionen und versteht endlich, dass sie als Teil einer Schicksalsgemeinschaft das Land und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wird.

Ibis – Trilogie Band 2
Der rauchblaue Fluss“

der-rauchblaue-flussKurzbeschreibung (von amazon.de):
Kanton 1838: Über den Perlfluss gelangen Handelsschiffe aus ganz Asien und Europa in die chinesische Hafenstadt, um Waren aus aller Welt zu vertreiben. Darunter sind auch der britische Botaniker Fitcher Penrose, der hofft, hier eine geheimnisvolle Pflanze zu finden, und der indische Händler Bahram, der sich mit dem Verkauf von Opium von der reichen Reederfamilie seiner Frau unabhängig machen will. Die Geschäfte laufen gut, doch dann will der chinesische Kaiser den Opiumhandel verbieten. Und auf einmal stehen alle Zeichen auf Krieg.

„Lagune“ Nnedi Okorafor

laguneInhalt: Im Internet wird verbreitet, vor der Küste einer der bevölkerungsreichsten Städte der Welt sind Außerirdische gelandet. Bald darauf versucht das Militär religiöse Führungspersönlichkeiten, Diebe und Wahnsinnige zu kontrollieren, die verschiedenste Informationen auf YouTube teilen und damit Panik in den Straßen verursachen.
In der Zwischenzeit beraten die politischen Supermächte über einen nuklearen Präventivschlag, der die Eindringlinge auslöschen soll. Es gibt nur vier Personen, die das Auslöschen von siebzehn Millionen Einwohnern verhindern können: ein außerirdischer Botschafter, eine Biologin, ein Rapper, ein Soldat … (Quelle: amazon.de)

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser ideenreiche, tief beeindruckende und den Leser nachdenklich zurücklassende Roman wirklich nur in die Schublade der SF gehört. Eigentlich ist das Werk eine Kreuzung aus Gesellschaftsroman, Science Fiction und Utopie.

Neben dem Erzählstrang der Landung von Außerirdischen ist hier sehr viel vom Leben in Lagos (Nigeria) zu erfahren. Es geht dabei um politische Machtverhältnisse, Korruption, soziale Mißstände. Große Fragen werden erörtert – Wie stellt sich Nigeria bzw. Lagos seine Zukunft vor? Wie kann der Umweltverschmutzung Einhalt geboten werden? Brauchen wir dafür Außerirdische oder können wir das alles selbst bewerkstelligen?

Der Umstand, das Außerirdische die Gestalt der Menschen annehmen können, ist nicht neu. Dies wurde schon in unzähligen Werken fabriziert. Hier ist es jedoch so, dass die Außerirdischen vor Lagos im Meer landen, deshalb keine Menschen weißer Hautfarbe kennen. Ich frage mich, ob es in der SF schon einmal Außerirdische Besucher schwarzer Hautfarbe gegeben hat …

Dieser empfehlenswerte Roman ist sehr tiefgehend, fantasievoll und steckt voller Abenteuer. – Für alle Leser klassischer SF-Literatur.

ISBN: 978 3 86425 873 2
Verlag: Cross Cult

„Aufstieg und Fall großer Mächte“ – Tom Rachmann

rachmannMit diesem Roman, dieser Geschichte, erzählt Tom Rachmann vom Leben in unserer Zeit, erzählt von Dingen des täglichen Lebens, von Tragödien, die uns im Kleinen oft genug begegnen und jedem von uns nahe gehen.

Im Mittelpunkt steht Tooly Zylberg, eine junge Frau, die ein kleines Antiquariat in Wales betreibt. Als sie eine eMail von einem ehemaligen Liebhaber erhält, beginnt sie ihre eigene Vergangenheit zu erforschen, die Mysterien ihres bisherigen abenteuerlichen Lebens zu hinterfragen.
Das Leben an der Seite ihres Vaters Paul brachte sie in jeden Winkel dieser Welt. Irgendwann tauchte Sarah auf, angeblich ihre Mutter. Dann gab es da noch Venn, den sie als charismatischen jungen Mann in Erinnerung hatte und Humphrey Ostropoler, ein Exilrusse, der seine besten Freunde in Büchern fand.
Doch wie standen all diese Personen ihrer Vergangenheit zu einander? Wieso verschlug es sie in alle Winkel der Welt? Was war aus ihren Eltern geworden? Wieso verschwanden die Menschen der Kindheit aus ihrem Leben?

Der Roman geht unter die Haut, befasst er sich doch mit allen Dingen, denen auch der Leser im täglichen Leben begegnet.
Geschrieben wurde die Geschichte in Rückblenden, die das Lesen nicht kompliziert machen, aber ein gewisses Maß an Konzentration fordern.

ISBN: 978 3 423 14487 2
Verlag: dtv

„Der Galgenvogel“ – Antonia Hodgson

galgenvogelLondon 1728: Tom Hawkins steckt wiedereinmal in Schwierigkeiten. Diesmal soll er für einen Mord hängen, den er nicht begangen hat. Doch wie soll er dies beweisen, ist er doch schon auf dem Weg zum Galgen?
Alle Tatsachen sprechen gegen ihn: Sein verhasster Nachbar, der sich schändlich an seiner Haushaltshilfe vergriff, wurde grausam in seinem Bett ermordet und das einen Tag nachdem ihm Hawkins mit seinem Schwert drohte.

„Der Galgenvogel“ ist die Fortsetzung des Romanes „Das Teufelsloch“. Beide Bücher sind akribisch recherchiert und spiegeln das damalige Leben in London wieder. Hervorzuheben ist auch, die meisten der handelnden Figuren haben wirklich gelebt.
Im Anhang wird der historische Hintergrund des Romanes genauer beleuchtet. So gibt es beispielsweise weitere Einzelheiten zu der Figur Henrietta Howard, die Mätresse des Königs, zu erfahren. Ihr bot Hawkins im Buch Hilfe, als sie, wie auch in der Realität geschehen, sich weigerte, zu ihrem Ehemann zurück zu kehren. Der Leichnam, um den es in diesem Thriller geht, ist der Ehemann Henriettas, die nun außer Reichweite häuslicher Gewalt und Brutalität (auch das war Realität), am Hofe des Königs lebte.
Auch die Prozession nach Tyburn (Hawkins Gang zum Galgen) basiert auf Tatsachenberichten .. Genaueres lässt sich im Roman und dessen Anhang erfahren.

Ich würde diesen herausragenden historischen Thriller Lesern empfehlen, die Sherlock Holmes – Geschichten und – Romane in ihrer ursprünglichen Fassung (die von Sir Arthur Conan Doyle) verschlungen haben.

ISBN: 978 3 426 65346 3
Verlag: Knaur

Im Kino: „Die glorreichen Sieben“

Inhalt:
Angst, Schrecken, Tod – der fiese Geschäftsmann Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) herrscht mit eiserner Kontrolle über die Stadt Rose Creek. Weil sie seine Drangsalierungen nicht länger ertragen können, engagieren die Einwohner in ihrer Verzweiflung sieben Männer mit fragwürdigen Geschäftsfeldern: den Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington), den Spieler Josh Farraday (Chris Pratt), den Gesetzlosen Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), den Fährtenleser Jack Horne (Vincent D’Onofrio), den Scharfschützen Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), den Krieger Red Harvest (Martin Sensmeier) und den Auftragskiller Billy Rocks (Byung-Hun Lee). Die sieben Herren sollen Bogue ausschalten. Doch noch während sie die Stadt auf eine Schlacht einschwören, finden die Söldner heraus, dass für sie weit mehr als nur Geld auf dem Spiel steht…
(Quelle: filmstarts.de)

Meine Meinung:
Ich war mißtrauisch. Ein Remake dieses großen Klassikers? Gab es doch schon damals Nachfolgefilme, die nie an den Erfolg des Erstlings anknüpfen konnten (s. wikipedia). Und wer sollte denn solche Kinolegenden wie zum Beispiel Steve McQueen, Charles Bronson oder James Coburn ersetzen? Es zog mich dann doch ins Kino …

Der Film an sich ist wirklich gut. Er hat alles, was einen klassischen Western ausmacht: Freiheit, Abenteuer, große Charaktere, Rache, Gerechtigkeit. Doch wieso soll das ein Remake sein? Gut, die Story an sich ist ähnlich (!) der Vorlage. Sicherlich gibt es hunderte Filme, die nach demselben Prinzip funktionieren (nicht nur Western, auch Krimis und Thriller …).
Im Vorfeld meines Kinoabenteuers las ich irgendwo, das absichtlich andere Namen für die Hauptfiguren geschaffen wurden, weil auch die Darsteller selbst völlig andere Personen in Szene setzten. Auch das Verhältnis der Sieben untereinander ist hier völlig anders. Irgendwie ist jeder in gewisser Weise von seinem Anführer abhängig. Das war im Original nicht so, da lagen die Gründe für dieses Abenteuer bei jeder Figur in ihrer eigenen Vergangenheit.
Während des Filmes fragte ich mich, warum eben jene neu geschaffenen Sieben (die sich von ihrem Original unterscheiden) ihre Vorgänger zeitweise zitieren: „Hätte Gott gewollt, dass sie nicht geschoren werden – wieso hat er sie zu Schafen gemacht?“; „Ich kannte einen Mann. Er sprang aus dem fünften (Originalfilm: der zehnte) Stockwerk eines Hochhauses. An jedem Fenster, an dem er vorbei kam, sagte er: Soweit gings gut.“ …

Fazit: „Die glorreichen Sieben“ (2016) ist ein gelungener Western. Doch sollte dieser Streifen meiner Meinung nach, für sich stehen. Ohne diese Zitate und mit einem anderen Titel – denn dieser Film ist kein Remake – wäre dieses Abenteuer groß genug, in den Herzen seiner Fans weiter zu leben. So bleibt immer der Fade Geschmack eines Remakes, das keines ist und die Gefahr des Vergessens ist viel größer …

Darsteller:
Denzel Washington
Chris Pratt
Ethan Hawke

Regie:
Antoine Fuqua