Kategorie: Thriller

„Corruption“ – Don Winslow

Denny Malone, Detective des NYPD, steckt in Schwierigkeiten. Seit achtzehn Jahren sorgt er mit seinem Team für Ordnung und Sicherheit in Manhatten.
Sie geraten zwischen die Fronten: Korrupte Polizisten, Staatsanwälte auf der einen Seite – Bandenchefs mit ihrem Gefolge auf der anderen Seite …

Polizeiromane, die im moralischen Sumpf der Beamten versinken, gibt es unendlich viele.
Don Winslow schafft es mit diesem Roman eindringlich auf Machenschaften korrupter Beamter, bestechlicher Staatsanwälte bis hinauf zu Verantwortlichen in hohen politischen Positionen hinzuweisen.
Auf der Rückseite des Buches steht, dieser Roman basiert auf jahrelangen Recherchen. Umso schockierender sind die in diesem Werk dargestellten Zusammenhänge. Sie erklären aber auch, warum es in Amerika (USA) oftmals zu Zusammenstößen zwischen Schwarzen und Weißen, Übergriffen der Polizei (Morde an Farbigen) und daraus folgenden Demonstrationen kommt.

„Corruption“ ist ein hochpolitisches Buch, ein trauriges Zeugnis unserer Zeit.

ISBN: 978 3 426 28168 0
Verlag: Droemer
Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte

„Der Raub“ – Daniel Silva

Eigentlich wollte Gabriel Allon sich ganz der Restaurierung eines Kirchengemäldes widmen, als ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter tot in seiner Villa aufgefunden wird. Da im Haus wertvolle Gemälde gefunden werden, die schon seit Jahren als verschollen galten, wird Gabriel Allon auf diese Fährte angesetzt.
Daraus entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich rund um die ganze Welt entspinnt und bis in höchste politische Kreise trägt.

Immer wieder zieht mich Daniel Silva mit seiner Figur Gabriel Allon in seinen Bann. Die einzigartige Mischung aus Kunst- und Politthriller sucht seines gleichen.
Momentan gibt es 15 Bände, die Gabriel Allon in den Mittelpunkt stellen. „Der Raub“ ist Nummer 14.
Es ist zwar hilfreich, die Bücher der Reihe nach zu lesen, aber nicht unbedingt nötig. Jeder Band ist in sich geschlossen.

Wer gute Spionageromane/ Politthriller mag, kommt um Daniel Silvas Gebriel Allon nicht herum.

ISBN: 978 3 959 67056 2
Verlag: Harper Collins

„Trügerisches Licht“ – Patricia Melo

Auf dem ersten Blick weht über Patricia Melos Krimiwelt ein Hauch von Aghata Christie. Beschäftigt man sich jedoch ausdauernd mit ihren Romanen, öffnet sich dem Leser eine gesellschaftskritische Welt – sie zeichnet Brasilien, Sao Paulo, in all seinen Schattierungen, nimmt kein Blatt vor den Mund.

„Trügerisches Licht“:
Im Mittelpunkt steht Kommissarin Azucena. In einer Männerwelt, durchsetzt von Vorurteilen nicht nur ihr gegenüber, sondern der Frau als solches gegenüber, kämpft sie in diesem merkwürdigen Fall eines scheinbaren Selbstmordes nicht nur gegen Anfeindungen aus ihren eigenen Reihen. Die Situation spitzt sich zu, als sie einen Kreis, bestehend aus Kripobeamten, ausfindig macht, die als Mörder in der Stadt ihr Unwesen treiben.
Selbst im Privatleben der Kommissarin (in den meisten Romanen finde ich dieses Beiwerk mittlerweile nur noch nervend) setzt sich die Kritik an Melos Stadt fort. Hier geht es um soziale Belange, um Korruption.

Klappentext:
Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.

Fazit:
Ein Politthriller, der alle Leser, die den politischen Krimi in seiner Ursprungsform (zum Beispiel „Roman über ein Verbrechen“ von Maj Sjöwall und Per Wahlöö ->wikipedia) schätzen lernten und immer auf der Jagd nach solchen Werken sind.

ISBN: 978 3 608 50215 2
Verlag: Tropen
Aus dem brasilianischen portugiesisch von Barbara Mesquita

–> bestellen bei amazon.de

„Der Galgenvogel“ – Antonia Hodgson

galgenvogelLondon 1728: Tom Hawkins steckt wiedereinmal in Schwierigkeiten. Diesmal soll er für einen Mord hängen, den er nicht begangen hat. Doch wie soll er dies beweisen, ist er doch schon auf dem Weg zum Galgen?
Alle Tatsachen sprechen gegen ihn: Sein verhasster Nachbar, der sich schändlich an seiner Haushaltshilfe vergriff, wurde grausam in seinem Bett ermordet und das einen Tag nachdem ihm Hawkins mit seinem Schwert drohte.

„Der Galgenvogel“ ist die Fortsetzung des Romanes „Das Teufelsloch“. Beide Bücher sind akribisch recherchiert und spiegeln das damalige Leben in London wieder. Hervorzuheben ist auch, die meisten der handelnden Figuren haben wirklich gelebt.
Im Anhang wird der historische Hintergrund des Romanes genauer beleuchtet. So gibt es beispielsweise weitere Einzelheiten zu der Figur Henrietta Howard, die Mätresse des Königs, zu erfahren. Ihr bot Hawkins im Buch Hilfe, als sie, wie auch in der Realität geschehen, sich weigerte, zu ihrem Ehemann zurück zu kehren. Der Leichnam, um den es in diesem Thriller geht, ist der Ehemann Henriettas, die nun außer Reichweite häuslicher Gewalt und Brutalität (auch das war Realität), am Hofe des Königs lebte.
Auch die Prozession nach Tyburn (Hawkins Gang zum Galgen) basiert auf Tatsachenberichten .. Genaueres lässt sich im Roman und dessen Anhang erfahren.

Ich würde diesen herausragenden historischen Thriller Lesern empfehlen, die Sherlock Holmes – Geschichten und – Romane in ihrer ursprünglichen Fassung (die von Sir Arthur Conan Doyle) verschlungen haben.

ISBN: 978 3 426 65346 3
Verlag: Knaur

„Power Play“ – Mike Nicol

power-playWiedereinmal zog mich ein Thriller aus Südafrika, Kapstadt, in seinen Bann. Auch hier weist die Geschichte, ähnlich wie bei Deon Meyers Romanen, verschiedene Ebenen auf. Im Vordergrund lesen wir eine haarsträubende Gangstergeschichte.

Der Hintergrund ist für mich interessant: Hier geht es um politische Machenschaften, das Zusammenleben verschiedener Ethnien, es geht um Schmuggel und Schwarzhandel mit Seeohren (wikipedia) – große Meeresschnecken, die in gewissen Teilen der Welt als Delikatesse dienen.

In Kapstadt tauchen zwei chinesische Geschäftsleute auf. Sie wollen den lokalen Schwarzhandel mit Seeohren untergraben, sich zu nutze machen. Dies bringt drei berüchtigte Bandenchefs gegeneinander auf. Bandenkriege, Schießereien auf offener Straße und andere Machenschaften sind die Folge.
Mitten in diesem Chaos behauptet sich eine Sicherheitsagentur, geführt von zwei jungen Frauen. Sie wurden vom Südafrikanischen Geheimdienst verpflichtet, die beiden chinesischen Geschäftsleute zu bewachen.

„Power Play“ ist auf der „Weltempfänger – Bestenliste“ (Nr. 32) von litprom gelistet. Litprom ist eine Gesellschaft zur Föderung der Literatur aus Asien, Afrika, Lateinamerika.

ISBN: 978 3442713776
Verlag: btb
auch als eBook erhältlich

„Icarus“ – Deon Meyer

Schon einmal berichtete ich, wie mich die Romane um Bennie Griessel in ihren Bann ziehen. Es ist nicht der eigentliche Thriller, der mich fasziniert – es ist die Hintergrundgeschichte.
Von Roman zu Roman breitet sich die History Südafrikas genauso wie derzeitige gesellschaftliche und politische Probleme jenes Staates am unteren Zipfel des afrikanischen Kontinentes aus.

Diesmal erlebt der Leser den Aufstieg des südafrikanischen Weines, der sich einen Namen unter Kennern auf der ganzen Welt machen konnte. Soweit zum Hintergrund.
Bennie Griessel wird an einen Tatort gerufen. Dort findet er einen engen Freund vor – Selbstmord. Bennie, der trockene Alkoholiker, greift wieder zur Flasche und kämpft – Icarus gleich – gegen den Absturz. Wåhrend dessen hat Bennie einen mysteriösen Fall zu klären: Am Strand wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Die Geschåftsidee des Mannes scheint Tatverdåchtige in Hülle und Fülle zu bieten. Er betrieb eine Agentur, die sich um Alibis für Menschen, die fremdgehen wollen, kümmerte. Doch kam sein Mörder wirklich aus seinem Kundenkreis?

Ich finde alle Romane von Deon Meyer lesenswert. Die Gründe legte ich eingangs dar. Empfehlenswert sind diese Bücher auch für alle Leser klassischer Politthriller (z.B. aus Schweden: die Kommissar Beck Romane von Sjöwall/ Wahlöö).

ISBN: 978 3 352 00671 5
Verlag: Rütten & Loening
Hardcover 19,99€ auch als eBook

„Das Teufelsloch“ – Antonia Hodgson

hodgsonIm England des Jahres 1727 gab es reine Schuldgefängnisse. Diese funktionierten jedoch etwas anders, als wir uns heute ein Gefängnis im herkömmlichen Sinne vorstellen.
„The Marshalsea“ war eines dieser berüchtigten Anstalten. Hierher entführt uns Antonia Hodgson. Auf historischen Fakten basierend – selbst die meisten Figuren ihres Romanes entspringen Tagebuchaufzeichnungen und Berichten aus jenen Tagen – zieht der Kriminalroman den Leser in ein unglaubliches Abenteuer.

„So gut, dass man sich fragt, ob Antonia Hodgson selbst im „Marshalsea“ gesessen hat …“ (Historical Novel Society)

Tom Hawkins ist immer knapp bei Kasse. Sein Geld verschwindet oft schneller, als er es in der Hand hat. Frauen, Glücksspiel, Bier und lange Abende lassen den eingenommenen Segen schnell verschwinden. Und doch liebt er dieses Leben. Niemals möchte er so werden wie sein Vater: Ein ehrbarer Landpfarrer. Allein dieser Gedanke lässt ihn frösteln.
Doch irgendwann ist es soweit: Die Schulden übersteigen seinen Lebenstil, er landet im „Marshalsea“ – Londons berühmt berüchtigtes Schuldgefängnis (->wikipedia).
Doch selbst hier benötigt man Geld, um zu überleben. Also verdingt er sich als Ermittler, mit dem Auftrag, einen Gefängnismord aufzuklären, der die Insassen in den Wahnsinn treibt. Sein Zimmergenosse Fleet ist von der Idee hellauf begeistert, versucht er doch schon seit einiger Zeit den Mörder auf seine Weise zu entlarven.
Doch Tom muss genau überlegen, was er Fleet anvertrauen kann, da die meisten seiner Mithäftlinge Fleet für den Täter halten.

Ein Roman, der uns in unbekannte Welten mitnimmt, basierend auf historischen Tagebuchaufzeichnungen und Berichten. „Etwas definitiv Neues auf dem Feld der historischen Spannung.“ (Daily Express)

Für alle Leser, die auf der Jagd nach Schätzen, Lesestoff abseits des Mainstreams sind. Für Leser, die historische Kriminalromane mögen und sich darin verlieren.

ISBN: 978 3 426 51506 8
Verlag: Knaur

„Lass die Toten ruhen“ – Malla Nunn

NunnEmmanuel Cooper hat ein Problem: Er war zur falschen Zeit am falschen Ort.
Sein Instinkt ließ ihn durch dunkle Gassen streifen, als er über einen farbigen Jungen stolperte, der nichts mehr spürte. Der aufgeschlitzte Hals bestätigte dies. Die Polizei, plötzlich zur Stelle, wenn sie nicht gebraucht wird, hält ihn für den Mörder. Früher waren diese Ermittler seine Kollegen, doch seit ihm der Ausweis, der ihn als einen reinrassigen Weißen darstellte, entzogen wurde, sahen ihn seine früheren Kollegen mit anderen Augen.
Kurz bevor er für diesen Mord gehängt werden soll, gibt ihm ein einflussreicher Mann eine Chance. Cooper wird aus dem Gefängnis geholt, um diesen Mord, für den er seinen Hals in eine Schlinge stecken sollte, aufzuklären. Man gibt ihm achtundvierzig Stunden, sogar seinen Status als Weißer und als Kripobeamter erhält er für diesen Zeitraum zurück. Sollte es ihm nicht gelingen, seine Unschuld zu beweisen und einen Mörder zu präsentieren, droht ihm der Galgen.

Malla Nunn siedelte ihre Krimis um Emmanuel Cooper im Südafrika der fünfziger Jahre an. Sie zeichnet ein scharfes Bild der Politik aus dieser Zeit: Rassenhass, verschiedenste Religionen. Ein Pulverfass, in dem sich der Leser verliert, mit Emmanuel Cooper durch ein fremdes Land zu einer gefährlichen Zeit streift.
Mich beeindruckte auch der Lebenslauf der Figuren: Cooper verbrachte seine Militärzeit in den Kriegstagen des zweiten Weltkrieges in Frankreich, im Auftrag des britischen Empires. Einer seiner Bekannten ist ein jüdischer Arzt, einst groß angesehen im Berlin der Vorkriegszeit. Diese Lebensläufe ziehen Parallelen zu den Geschehnissen in Südafrika der fünfziger Jahre. Als Beispiel dafür: Zufällig beobachtet Cooper und der Arzt, wie Farbige aus der Stadt vertrieben werden, weil sie keinen Passierschein haben. Der jüdische Arzt ist sofort in eine Zeit zurückversetzt, als im Berlin der Naziherrschaft plötzlich Familienangehörige abgeholt und verschleppt wurden.

Ich finde, der Krimi ist vor allem wegen seinem Hintergrund lesenswert. Auch für die Leser von Deon Meyer zu empfehlen.

ISBN: 978 3746628806
Verlag: Aufbau