Kategorie: Krimi

„Der Mann, der nicht mitspielt“ – Christof Weigold

Hollywood in den Roaring Twenties: ein wahres Sündenbabel zur Zeit der Stummfilme und der Prohibition. Rätselhafte Todesfälle erschüttern die Stadt. Mittendrin: ein deutscher Privatdetektiv. Christof Weigolds mitreißend spannender Detektivroman »Der Mann, der nicht mitspielt« ist der Start einer Reihe, die auf den größten Skandalen und ungeklärten Mordfällen des frühen Hollywood basiert.
Privatdetektiv Hardy Engel, ein gescheiterter deutscher Schauspieler, wird von der schönen Pepper Murphy beauftragt, das verschwundene Starlet Virginia Rappe zu finden. Kurz darauf stirbt Virginia unter mysteriösen Umständen, nachdem sie eine Party des beliebten Komikers Roscoe »Fatty« Arbuckle besucht hat. Dieser wird beschuldigt, sie brutal vergewaltigt und tödlich verletzt zu haben. Angefacht von den Boulevardzeitungen des Hearst-Konzerns entwickelt sich der Fall zum größten Skandal der Stummfilmzeit, der ganz Hollywood in den Abgrund zu ziehen droht.
Hardy Engel ermittelt in zwei rivalisierenden Filmstudios und in der Kolonie der Deutschen rund um Universal-Gründer Carl Laemmle. Unterstützt wird er von seinem Lieblings-Bootlegger Buck Carpenter, der ihn mit Insiderinfos und Whisky versorgt, und Pepper, in die er sich Hals über Kopf verliebt, obwohl sie etwas zu verbergen scheint. Als Hardy Engel schließlich die Wahrheit herausfindet, die allzu viele Leute vertuschen wollen, ist nicht nur sein Leben in Gefahr…
(Inhaltsangabe: amazon.de)

Mein Eindruck: Der Autor greift einen spektakulären Fall aus der Stummfilmzeit auf. Der Skandal um Roscoe Conkling „Fatty“ Arbuckle sorgte seinerzeit für Aufregung und zwang die Hollywoodstudios zur Förderung moralischer Standards in der Filmindustrie (–>wikipedia).
An diesen Fall setzt Weigold seinen Privatdetektiv Hardy Engel, ein gescheiterter deutscher Schauspieler.
Eine interessante Story, die hinter die Kulissen einer längst vergangenen Zeit blicken lässt.
Die Hauptfigur, der Detektiv Hardy Engel erinnert an Philip Marlow oder Mike Hammer. Ein hartgesottener Typ, immer lockere Sprüche auf den Lippen. – Gefällt mir. Wo findet man heute noch Krimis in diesem Stil?

ISBN: 978 3 46205 103 2
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

„Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ – Jean – Francois Parot

Paris 1761: Der junge Nicolas Le Floch ist neu in der Stadt angekommen. Fasziniert vom bunten Treiben, dem Leben in der großen Stadt, sieht er sich plötzlich einer Herausforderung gegenüber, die es in sich hat.
Nicolas Le Floch wird beauftragt herauszufinden, in wie weit ein Polizeibeamter in gwisse korrupte Machenschaften verstrickt ist. Doch plötzlich verschwindet der verdächtige Beamte und bald deutet auch alles auf schwere Verbrechen hin.
Die Nachforschungen führen Le Floch durch Spelunken, Abdeckereien, Bordelle und Verliese der Bastille.

Der Roman ist ein Abenteuer. Zusammen mit Commissaire Le Floch durchstreift der Leser das alte Paris und lernt, genauso wie der junge Nicolas, die Stadt kennen.
Empfehlen kann man das Buch allen Lesern von historischen Romanen/ Krimis.
Der Werbeslogen für das Buch: „Ein neuer Maigret ist geboren“ ist völlig falsch und oberflächlich. Mit Maigret hat weder das alte Paris, in dem dieser Roman spielt, etwas zu tun, noch hat Commissaire Le Floch irgendwelche Gemeinsamkeiten mit Simenons bekanntester Hauptfigur.

„Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ ist der erste Band aus der historischen Krimireihe um Nicolas Le Floch.

ISBN: 978 3896675736
Verlag: Karl Blessing
Übersetzt aus dem Französischen von Michael von Killisch – Horn

„Das Sündenhaus“ – Antonia Hodgson

1728. Tom Hawkins wird auf eine Bitte der Königin zu John Aislabies Herrensitz in Yorkshire geschickt. Er soll ein Rechnungsbuch beschaffen, das für die Queen sehr brisant ist. Es enthält wichtige Geldwechsel und Geschäfte, die im Zusammenhang mit der „Südseeblase“, einem bedeutendem Finanzskandal im 18. Jahrhundert, stehen.
Hawkins trifft auf dem Anwesen eine junge Frau, die sich als lange verschollene Tochter Aislabies ausgibt. Ist ihre Geschichte wahr?
Das Gut versinkt immer weiter in dunkle Machenschaften. Wer kooperiert mit wem und zu welchem Zweck?

„Das Sündenhaus“ ist ein klassischer whodunit – Krimi (kein Thriller!). Zwar steht in diesem Roman die „Südseeblase“ (–> wikipedia) im Hintergrund, doch plätschert die Handlung hier im Gegensatz zu den beiden Vorläufern des Buches in einer Art Sherlock – Holmes – Geschichte vor sich hin.
Trotzdem ist der Band lesenswert. Es gibt viele Wendungen in der Story und immer wieder Überraschungen.
Wie auch in den vorhergehenden Bänden („Das Teufelsloch“ und „Der Galgenvogel„) verwöhnt uns Antonia Hodgson mit wahren Begebenheiten und realen Personen aus dieser Zeit. Ein Nachwort gibt weitere Aufschlüsse zu den handelnden Personen und dem Schauplatz des Geschehens, der heute ein Kulturerbe ist.

Ich empfehle, alle drei Bände der Reihe nach zu lesen. Sie sind zwar in sich geschlossen, viele Verbindungen lassen sich so jedoch am besten nachvollziehen.

ISBN: 978 3 426 65440 8
Verlag: Knaur
übersetzt von Sonja Rebernik-Heidegger

„Die Anatomie des Teufels“ – Jordi Llobregat

Barcelona 1888: Die Vorbereitungen der Weltausstellung laufen auf Hochtouren. Mitten in diesen Wirren, dem Chaos in der Stadt, gehen immer wieder Gerüchte von grausamen Morden um. Angeblich werden Leichen gefunden, die merkwürdige Verstümmelungen und Brandmale aufweisen.

Als der junge Daniel Amat die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält, reist er in seine alte Heimat Barcelona zurück. Am Grab seines Vaters begegnet er dem Journalisten Bernat Fleixa. Dieser glaubt zu wissen, dass Amats Vater einem Verbrechen zum Opfer fiel. Gemeinsam setzen sie alle Hebel in Bewegung, um die Wahrheit über das Ableben des Dr. Amat zu erfahren. Während ihrer Recherchen stoßen sie auf das Geheimnis der mysteriösen, sagenumwobenen Leichen.

Ein Roman für Liebhaber modern geschriebener historischer Kriminalromane mit einem Hauch Fantasie.

Auf dem Umschlag des Romanes wird das Buch den Fans von Carlos Ruiz Zafon angepriesen.
Ich finde, dass Zafon – Leser an diesem Buch in Hinsicht auf den Ort des Geschehens (Barcelona) und den fantasietragenden Elementen ihre Freude haben werden.

ISBN: 978 3 7645 06117
Verlag: Blanvalet
Übersetzt von Stefanie Karg

„Mord erster Klasse“ – John le Carré

Bei diesem klassischen Kriminalroman handelt es sich nicht um einen für le Carré typischen Spionageroman. Vielmehr zeigt uns die Geschichte das Leben an einem englischen Elite – College Anfang der 1960er Jahre.

George Smiley, ein Geheimagend im Ruhestand, wird um Hilfe gebeten. Stella Rhode, Ehefrau eines Lehrers am Elite – College Carne, hatte in einem Brief darauf hingewiesen, dass ihr Mann sie umbringen wolle.
Doch bevor Smiley irgendetwas unternehmen kann, wird Stella Rhode tot aufgefunden. Der ehemalige Agend beschließt, in die Rolle eines Detektives zu schlüpfen. Vor Ort finden sich allerhand Spuren und Hinweise, die in ungeahnte Richtungen zeigen. Hier ist Smileys Gespür und Kombinationsgabe gefragt. Es scheint, die Tote wurde von sehr vielen Menschen in ihrer Umgebung gehasst …

Ich finde, der Roman hat einige Vorzüge: Man kann mitraten, den Täter für sich finden – wie in allen klassischen Whodunit – Krimis.
Interessant ist für mich die Mischung aus Aghata – Christie – Roman und den typischen le Carré Stilmitteln und Handlungsweisen …

ISBN: 978 3 471 79529 3
Verlag: List (Jubiläumsausgabe 2005)
Übersetzt von Hans Bütow

„Der dunkle Ritter“ – Maurizio de Giovanni

Im dritten Teil der Neapel – Krimis geschieht das Unfassbare: Der zehnjährige Dodo, Enkel eines reichen Unternehmers, verschwindet während eines Schulausfluges.
Inspektor Lojacono und sein Team kämpfen gegen die Zeit und immer wieder stellt sich die Frage: Wurde das Kind entführt oder handelt es sich hier um einen klassischen Ausreißer? Schwebt der Kleine in Lebensgefahr?

Während im ersten Teil der Reihe („Das Krokodil“) Inspektor Lojacono im Mittelpunkt steht, rückt im zweiten („Die Gauner von Pizzofalcone“) das Team des Inspektors in den Vordergrund.
Im dritten Buch beschäftigt sich der Autor tiefgreifend mit jeder einzelnen Person aus dem Ermittlungsteam mit allen alltäglichen Problemen und Ängsten. Damit zeichnet Maurizio de Giovanni vor der Kulisse Neapels ein interessantes Gesellschaftsportrait.

Die Krimireihe um Inspektor Lojacono empfiehlt sich für Leser, die mehr über Land und Leute, dem Leben in Neapel erfahren wollen.
Ich vergleiche diese Reihe mit der „Marseille – Trilogie“ von Jean Claude Izzo.

ISBN: 978 3 463 40382 3
Verlag: Kindler
Übersetzt von Susanne Van Volxem

Band 1:
„Das Krokodil“

Am Tatort liegt ein junger Mensch, kaltgemacht durch einen Schuss aus nächster Nähe. Neben ihm ein mysteriöser Gruß des Täters : ein tränenbenetztes Taschentuch.
Inspektor Lojacono, von Sizilien nach Neapel strafversetzt, sitzt in einem tristen Polizeibüro und dreht Däumchen. Bis ihn die schöne Staatsanwältin Laura Piras mit diesem Fall betraut. Und nun treffen der Inspektor und «das Krokodil» in der morbiden Szenerie Neapels aufeinander. Ein neues Kapitel des ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse beginnt.

Band 2:
„Die Gauner von Pizzofalcone“

Im besten Viertel Neapels wird eine Notarsgattin tot aufgefunden. Die Dame sammelte leidenschaftlich Schneekugeln – ausgerechnet eins ihrer Sammlerstücke musste als Tatwaffe herhalten. Nichts deutet auf ein gewaltsames Eindringen hin. War der Mörder ein Bekannter?
Inspektor Lojacono wurde gerade mit ein paar anderen Polizisten in ein neues Kommissariat versetzt: Pizzofalcone. Sie müssen die alte Besetzung ablösen, die in ein skandalöses Drogendelikt verwickelt war. Mit diesem schlechten Ruf schlagen sich die neuen Beamten nun herum und werden spaßeshalber nur «die Gauner von Pizzofalcone» genannt. Doch während der Regen durch Neapels Straßen peitscht, will bei Inspektor Lojacono so gar keine heitere Stimmung aufkommen …

Band 4:
Der vierte Band der Reihe steht schon in den Startlöchern: „Frost in Neapel“ soll am 17.November erscheinen.

Es herrscht bittere Kälte in Neapel, als ein grausamer Doppelmord gemeldet wird: Ein junger Biochemiker und seine bildhübsche Schwester wurden tot in ihrer gemeinsamen Wohnung aufgefunden. Wer kann diese Tat von beispielloser Skrupellosigkeit verübt haben?
Der Vater, der gerade erst sechzehn Jahre Gefängnis wegen Totschlags hinter sich hat? Der Verlobte der Frau, ein Provinz-Rockstar, der ihre angehende Karriere als Topmodel und ihr gutes Verhältnis zu ihrem Bruder mit Eifersucht beäugte und zu Wutausbrüchen neigte? Wo bleibt das Motiv?
Die Ermittler tappen im Dunkeln, aber sie stehen unter Druck. Wenn der Fall nicht schnell aufgeklärt wird, droht dem Kommissariat von Pizzofalcone die Schließung. Erst als Lojacono und seiner Truppe aufgeht, dass es der Mörder nicht zwangsläufig auf beide Geschwister abgesehen haben muss, gerät die Sache in Bewegung…

(Kurzbeschreibungen und Bildmaterial: amazon.de)

„Die Schatten von Edinburgh“ – Oscar de Mauriel

1888: Inspector Ian Frey fällt bei Scotland Yard in Ungnade. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich nach Edinburgh versetzen zu lassen.
Dort trifft er auf den rücksichtslosen und ungehobelten Inspector Adolphus McGray. Gemeinsam werden sie auf einen Fall angesetzt, der Parallelen zu den Ripper – Morden in London aufzuweisen scheint. Im Gegensatz zu den grausamen Morden in Englands Hauptstadt scheint es der Täter in Edinburgh ausschließlich auf bestimmte Männer abzusehen, die er, ähnlich wie Jack the Ripper, ausweidet.
Ein Trittbrettfahrer? Oder ist doch der Teufel persönlich im Spiel?

Das Ermittlerduo Frey und McGray erinnert an Holmes und Watson. Es macht einfach Spaß den Beiden durch die Straßen von Edinburgh zu folgen. Ich kann nur hoffen, da dieser Roman der Beginn einer Reihe ist, dass Frey und McGray sich in Zukunft einer ähnlichen Fangemeinde wie Holmes/ Watson erfreuen werden.

ISBN: 978 3 442 48505 5
Verlag: Goldmann
Übersetzt von Peter Beyer

„Es klingelt an der Tür – Ein Fall für Nero Wolfe“ – Rex Stout

Diesmal legt sich der bekannte Privatdetektiv Nero Wolfe mit dem FBI an: Die reiche Rachel Brunner wird vom Geheimdienst überwacht, nachdem sie zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches landesweit verschickte. Nun sucht sie Hilfe bei Nero Wolfe. Es muss doch möglich sein, diese lästigen Anhängsel wieder los zu werden …

Man sollte diesen Roman aus seiner Entstehungszeit heraus sehen. Damals war Edgar J. Hoover Chef des FBI und für die eine oder andere merkwürdige Ermittlungsmethode bekannt. Was die Möglichkeiten der Überwachung einzelner Personen betrifft, ist dieser Roman noch immer erschreckend aktuell.

Ich griff zu diesem Buch, weil mich Nero Wolfe schon seit je her fasziniert. Im Laufe der Jahre verlor ich allerdings den Überblick darüber, welchen Roman ich schon gelesen hatte und welchen nicht (manchmal variieren auch die Titel …).
Jetzt entdeckte ich diese Neuübersetzung/ Neuauflage.

Mein Eindruck zur Geheimdiensstory: Es ist einer der letzten Romane um Nero Wolfe. Im Text zeigt sich das durch „ausgetretene Pfade“. Einiges der skurilen Hauptfigur kommt hier gar nicht mehr so zum tragen, die Eigenheiten wurden schon zu oft in den vorhergehenden Büchern ausgeschmückt (vergeblich suche ich hier Wolfes Sessel, auf dem zwei Personen Platz finden würden, den Wolfe mit seinem Umfang allerdings ausfüllt).
Mir gefielen die älteren Nero-Wolfe-Romane besser.

ISBN: 978 3 608 98111 7
Verlag: Klett-Cotta
Neu übersetzt von Conny Lösch

„Handel der Gefühle“ Leonardo Padura

Teniente Mario Conde ist verliebt. Diesen Umstand verdankt er einer Autopanne seiner Angebeteten. Er hilft ihr und fortan ist ihm nicht mehr zu helfen – behauptet jedenfalls sein bester Freund der dünne Carlos, der nicht mehr dünn ist.
Doch statt einige freie Tage genießen zu können, die dem Tienente nach der Lösung seines letzten Falles gut getan hätten, brummt ihm sein Chef schon wieder so ein seltsames Ereignis auf: Eine junge Chemielehrerin ist tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden. In ihrem unmittelbaren Umfeld entdeckt man Marihuana. Außerdem soll an diesem verhängnisvollen Abend eine Party stattgefunden haben, bei der ihre Schüler anwesend waren.
Wird in Condes alter Schule, in der er „… erwachsen wurde …“, Rauschgift umgeschlagen? Für Mario Conde ist dieser Fall eine Zerreißprobe zwischen der alten Zeit, als er noch an diese Schule ging, der dünne Carlos noch dünn war und seinem Leben in der Gegenwart.

„Handel der Gefühle“ ist der zweite Teil des Havanna – Quartetts. Diese Romane zeigen das Leben in Kubas Hauptstadt im Jahr 1989 (mit Rückblicken in die 1970er). Deshalb sollte der Untertitel meiner Meinung nach nicht einfach „Frühling“ lauten, sondern Frühling 1989 wie es auch auf den ersten Seiten steht. Die Jahreszahl ist wichtig, betrachtet man als Leser das Leben in Havanna dieser Zeit unter dem Blickwinkel der politischen Ereignisse jenes Jahres.
Beschäftigt man sich mit der Handlung aller vier Bücher, erschließt sich der Gesellschaftsroman als solches. Liest man nur ein Buch, öffnet sich dem Leser ein Krimi im Herzen der Karibik mit jeder Menge Melancholie, Rum und Zigarren.

Das Havanna – Quartett
Teil 1: „Ein perfektes Leben“ – Winter
Teil 2: „Handel der Gefühle“ – Frühling
Teil 3: „Labyrinth der Masken“ – Sommer
Teil 4: „Das Meer der Illusionen – Herbst

ISBN: 978 3 293 20352 5
Verlag: Unionsverlag
Aus dem kubanischen Spanisch von Hans – Joachim Hartstein

„Trügerisches Licht“ – Patricia Melo

Auf dem ersten Blick weht über Patricia Melos Krimiwelt ein Hauch von Aghata Christie. Beschäftigt man sich jedoch ausdauernd mit ihren Romanen, öffnet sich dem Leser eine gesellschaftskritische Welt – sie zeichnet Brasilien, Sao Paulo, in all seinen Schattierungen, nimmt kein Blatt vor den Mund.

„Trügerisches Licht“:
Im Mittelpunkt steht Kommissarin Azucena. In einer Männerwelt, durchsetzt von Vorurteilen nicht nur ihr gegenüber, sondern der Frau als solches gegenüber, kämpft sie in diesem merkwürdigen Fall eines scheinbaren Selbstmordes nicht nur gegen Anfeindungen aus ihren eigenen Reihen. Die Situation spitzt sich zu, als sie einen Kreis, bestehend aus Kripobeamten, ausfindig macht, die als Mörder in der Stadt ihr Unwesen treiben.
Selbst im Privatleben der Kommissarin (in den meisten Romanen finde ich dieses Beiwerk mittlerweile nur noch nervend) setzt sich die Kritik an Melos Stadt fort. Hier geht es um soziale Belange, um Korruption.

Klappentext:
Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.

Fazit:
Ein Politthriller, der alle Leser, die den politischen Krimi in seiner Ursprungsform (zum Beispiel „Roman über ein Verbrechen“ von Maj Sjöwall und Per Wahlöö ->wikipedia) schätzen lernten und immer auf der Jagd nach solchen Werken sind.

ISBN: 978 3 608 50215 2
Verlag: Tropen
Aus dem brasilianischen portugiesisch von Barbara Mesquita

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