Kategorie: Historischer Roman

„Die Anatomie des Teufels“ – Jordi Llobregat

Barcelona 1888: Die Vorbereitungen der Weltausstellung laufen auf Hochtouren. Mitten in diesen Wirren, dem Chaos in der Stadt, gehen immer wieder Gerüchte von grausamen Morden um. Angeblich werden Leichen gefunden, die merkwürdige Verstümmelungen und Brandmale aufweisen.

Als der junge Daniel Amat die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält, reist er in seine alte Heimat Barcelona zurück. Am Grab seines Vaters begegnet er dem Journalisten Bernat Fleixa. Dieser glaubt zu wissen, dass Amats Vater einem Verbrechen zum Opfer fiel. Gemeinsam setzen sie alle Hebel in Bewegung, um die Wahrheit über das Ableben des Dr. Amat zu erfahren. Während ihrer Recherchen stoßen sie auf das Geheimnis der mysteriösen, sagenumwobenen Leichen.

Ein Roman für Liebhaber modern geschriebener historischer Kriminalromane mit einem Hauch Fantasie.

Auf dem Umschlag des Romanes wird das Buch den Fans von Carlos Ruiz Zafon angepriesen.
Ich finde, dass Zafon – Leser an diesem Buch in Hinsicht auf den Ort des Geschehens (Barcelona) und den fantasietragenden Elementen ihre Freude haben werden.

ISBN: 978 3 7645 06117
Verlag: Blanvalet
Übersetzt von Stefanie Karg

„Die Schatten von Edinburgh“ – Oscar de Mauriel

1888: Inspector Ian Frey fällt bei Scotland Yard in Ungnade. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich nach Edinburgh versetzen zu lassen.
Dort trifft er auf den rücksichtslosen und ungehobelten Inspector Adolphus McGray. Gemeinsam werden sie auf einen Fall angesetzt, der Parallelen zu den Ripper – Morden in London aufzuweisen scheint. Im Gegensatz zu den grausamen Morden in Englands Hauptstadt scheint es der Täter in Edinburgh ausschließlich auf bestimmte Männer abzusehen, die er, ähnlich wie Jack the Ripper, ausweidet.
Ein Trittbrettfahrer? Oder ist doch der Teufel persönlich im Spiel?

Das Ermittlerduo Frey und McGray erinnert an Holmes und Watson. Es macht einfach Spaß den Beiden durch die Straßen von Edinburgh zu folgen. Ich kann nur hoffen, da dieser Roman der Beginn einer Reihe ist, dass Frey und McGray sich in Zukunft einer ähnlichen Fangemeinde wie Holmes/ Watson erfreuen werden.

ISBN: 978 3 442 48505 5
Verlag: Goldmann
Übersetzt von Peter Beyer

„Die letzten Tage der Nacht“ – Graham Moore

Dieser hypnotisierende Roman widmet sich einem der spannendsten Themen der Geschichte – dem Stromkrieg.

Detailgetreu, alle Momente der Begebenheit aufgreifend, entwickelt der Autor seine Erzählung um den ersten und bis zu diesem Zeitpunkt größten Patentstreit im Bereich des Rechtswesens. Hier geht es nicht nur darum, wer die Glühlampe erfunden hat – das war nur der Auslöser der Debatte – hier geht es vor allem um die Elektrifizierung Amerikas und der ganzen Welt.

Dieser hervorragend recherchierte Roman zeigt die Schwierigkeiten der für uns heute so selbstverständlichen Stromgewinnung als diese noch in ihren Anfängen lag.
Thomas Edison und George Westinghouse waren erbitterte Gegner: Der eine setzte auf Gleichstrom, nutzte eine Art Inselsystem (ein Generator zur Unterhaltung weniger Haushalte), der andere setzte auf das bis heute übliche System Wechselstrom – transportierbar über viele Kilometer und bei weitem ungefährlicher als Gleichstrom.

Faszinierend ist auch die Rolle des Nikola Tesla – auf seinen Ideen beruht das Wechselstromsystem, das bis heute in jedem Haushalt zur Verfügung steht.

Klappentext:
New York, 1888. Der junge Anwalt Paul Cravath steht in einem der größten Patentkriege aller Zeiten dem berühmten Thomas Edison gegenüber. Es geht um ein Wunder, um eine bahnbrechende Erfindung: die Glühlampe. Und damit um die Macht, das gesamte Land zu elektrifizieren. Edison ist ein verschlagener und gefährlicher Gegner mit einem Netzwerk aus Spionen, gekauften Journalisten und der Unterstützung von J.P.Morgan höchstpersönlich. Aber Paul teilt eine Eigenschaft mit Edison: den absoluten Willen zu gewinnen.

Fazit:
Ein Roman für alle technisch begeisterten Leser und für alle Fans historischer Literatur.

ISBN: 978 3 8479 0624 7
Verlag: Eichborn

„Die Flut des Feuers“ – Amitav Ghosh

die-flut-des-feuers„Die Flut des Feuers“ ist der dritte und letzte Band der Ibis – Trilogie. Die Romane spielen in Britisch – Indien und Südchina in den Jahren zwischen 1838 bis 1842. Alle Romane lassen sich auch unabhängig von einander lesen, sie sind in sich geschlossen. Wer Wert auf den historischen Hintergrund legt, sollte die Trilogie jedoch im Ganzen und der Reihenfolge nach lesen.

Die ersten beiden Romane „Das mohnrote Meer“ und „Der rauchblaue Fluß“ beschäftigen sich mit dem Mohnanbau und den Opiumgeschäften zwischen Kalkutta (Britisch – Indien) und der chinesischen Provinz Kanton.
„Die Flut des Feuers“ beschreibt die Geschichte der Opiumkriege und deren verheerende Niederlage für China. Die Folge daraus war die Annektierung Hongkongs durch Großbritanien.
Der Leser verfolgt das Schicksal von Kesri Singh, einem Kommandanten der britisch – ostindischen Armee; Zachary Reid, ein verarmter Seemann, auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe und Shirin Moddie, die um die Hinterlassenschaften ihres gestorbenen Ehemannes, ein Opiumhändler, kämpft.

Trotz seiner Detailfreude ist der Roman so atmosphärisch dicht gezeichnet – man glaubt, neben den kampfesmutigen Soldaten durch die Reisfelder zu stapfen, die Feuchtigkeit des kniehohen Schlamms an den Beinen zu spüren, hört die Kanonenkugeln einschlagen, sieht stolze Kriegsschiffe ihre Bahnen ziehen.

ISBN: 978 3 89667 361 9
Verlag: Karl Blessing

Ibis – Trilogie Band 1
„Das mohnrote Meer“

das-mohnrote-meerKurzbeschreibung (von amazon.de):
1838: Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der »Ibis«, einem ehemaligen Sklavenschiff. Die »Ibis« ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. Und hinter der Mündung des Ganges wartet die Ungewissheit. Unterdrückung und Kolonialismus, das Aufeinanderprallen von Kulturen, Liebe und Hass sind die großen Themen bei Ghosh. Spannendes soziales Drama und literarischer Abenteuerroman zugleich.

Die junge Diti lebt und arbeitet mit ihrer 6-jährigen Tochter Kabutri und ihrem Mann Hukam Singh auf einer Mohnfarm. Diti hat Tagträume, Visionen, in denen sie ein Schiff unter Segeln sieht, das den Fluss herauf kommt. Noch nie war sie am Meer, am »Schwarzen Wasser«, und kann sich die Vision nicht erklären. Doch sie ahnt, dass sie vor einer großen Veränderung in ihrem Leben stehen könnte.
Bis zum Tag der arrangierten Hochzeit mit Diti hat Hukam seine Opiumsucht verschwiegen, die ihn längst zeugungsunfähig gemacht hat. Diti erfährt, dass sie in der Hochzeitsnacht unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt wurde. Als Hukam nach einem Unfall in der Fabrik stirbt, will Diti sich deshalb lieber verbrennen lassen, als mit ihrem Schwager zusammenzuleben. In letzter Sekunde wird sie von dem Unberührbaren Kalua gerettet und die beiden fliehen auf dem Ganges stromabwärts nach Kalkutta. Als sie nach einer abenteuerlichen Reise dort ankommt, erblickt sie das Schiff aus ihren Visionen und versteht endlich, dass sie als Teil einer Schicksalsgemeinschaft das Land und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wird.

Ibis – Trilogie Band 2
Der rauchblaue Fluss“

der-rauchblaue-flussKurzbeschreibung (von amazon.de):
Kanton 1838: Über den Perlfluss gelangen Handelsschiffe aus ganz Asien und Europa in die chinesische Hafenstadt, um Waren aus aller Welt zu vertreiben. Darunter sind auch der britische Botaniker Fitcher Penrose, der hofft, hier eine geheimnisvolle Pflanze zu finden, und der indische Händler Bahram, der sich mit dem Verkauf von Opium von der reichen Reederfamilie seiner Frau unabhängig machen will. Die Geschäfte laufen gut, doch dann will der chinesische Kaiser den Opiumhandel verbieten. Und auf einmal stehen alle Zeichen auf Krieg.

„Der Galgenvogel“ – Antonia Hodgson

galgenvogelLondon 1728: Tom Hawkins steckt wiedereinmal in Schwierigkeiten. Diesmal soll er für einen Mord hängen, den er nicht begangen hat. Doch wie soll er dies beweisen, ist er doch schon auf dem Weg zum Galgen?
Alle Tatsachen sprechen gegen ihn: Sein verhasster Nachbar, der sich schändlich an seiner Haushaltshilfe vergriff, wurde grausam in seinem Bett ermordet und das einen Tag nachdem ihm Hawkins mit seinem Schwert drohte.

„Der Galgenvogel“ ist die Fortsetzung des Romanes „Das Teufelsloch“. Beide Bücher sind akribisch recherchiert und spiegeln das damalige Leben in London wieder. Hervorzuheben ist auch, die meisten der handelnden Figuren haben wirklich gelebt.
Im Anhang wird der historische Hintergrund des Romanes genauer beleuchtet. So gibt es beispielsweise weitere Einzelheiten zu der Figur Henrietta Howard, die Mätresse des Königs, zu erfahren. Ihr bot Hawkins im Buch Hilfe, als sie, wie auch in der Realität geschehen, sich weigerte, zu ihrem Ehemann zurück zu kehren. Der Leichnam, um den es in diesem Thriller geht, ist der Ehemann Henriettas, die nun außer Reichweite häuslicher Gewalt und Brutalität (auch das war Realität), am Hofe des Königs lebte.
Auch die Prozession nach Tyburn (Hawkins Gang zum Galgen) basiert auf Tatsachenberichten .. Genaueres lässt sich im Roman und dessen Anhang erfahren.

Ich würde diesen herausragenden historischen Thriller Lesern empfehlen, die Sherlock Holmes – Geschichten und – Romane in ihrer ursprünglichen Fassung (die von Sir Arthur Conan Doyle) verschlungen haben.

ISBN: 978 3 426 65346 3
Verlag: Knaur

„Der Name der Rose“ – Umberto Eco

Der Name der RoseEs ist nicht leicht, einige Worte über einen solchen Klassiker zu verlieren. Steckt doch in diesem Buch viel mehr, als es den Anschein hat, der Film vermuten lässt.
Der Roman ist eigentlich nicht in eine gewisse Schublade einzuordnen: Weder als historischer Kriminalroman, Satire auf das Leben im Allgemeinen, noch als Lehrbuch für Geschichte.
Es ist alles in allem. – Und genau deshalb lesenswert.

Der Roman spielt 1327 in einem Benediktinerkloster in Italien. William von Baskerville, ehemaliger Inquisitor, wird bei seinem Eintreffen mit einem wunderlichen Auftrag betraut: Der Abt bittet ihn um Hilfe. In der letzten Nacht sprang ein Mönch aus einem Fenster der Bibliothek. War es Selbstmord? Und was hatte der Mönch in der Bibliotek zu suchen – wird sie doch bewacht und behütet. Außer dem Bibliothekar ist es jedem strengstens untersagt, diese Räume zu betreten.
Bald darauf ertrinkt ein weiterer Mönch in einem Schweinebottich, ein dritter liegt tot im Badehaus.
Williams Ermittlungen entdecken das Labyrinth der Bibliothek, er findet vergessene Gänge in den alten Mauern der Abtei, entziffert geheime und verschollen geglaubte Schriften …

ISBN: 978 3 423 21073 9
Verlag: dtv

„Die Hexe von Dunwich“ – David Pirie

„Aus den dunklen Anfängen von Sherlock Holmes“

518lgJcBZcLArthur Conan Doyle war gefangen. Wie kam er hierher? Der Raum, in dem er sich befand, ist dunkel, bedrohlich. Als er erwacht, findet er etwas Essbares vor, trinkt hastig von der bereitgestellten Milch. Den merkwürdigen Nebengeschmack bemerkt er erst, als er erneut in tiefen Schlaf fällt …

„Die Hexe von Dunwich“ ist der dritte und letzte Teil der Trilogie um Joseph Bell und Arthur Conan Doyle. Um einige Dinge, die hier angesprochen werden, besser zu verstehen, empfiehlt es sich, die Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen:
– Teil 1: „Die Augen der Heather Grace“
– Teil 2: „Die Zeichen der Furcht“
– Teil 3: „Die Hexe von Dunwich“

Auch im vorliegenden Band finden sich viele Parallelen zu den Geschichten um Sherlock Holmes. So kommt es hier zu Auseinandersetzungen mit dem Serienkiller Cream, der aus den Sherlock Holmes Geschichten als Professor Moriarty bekannt ist. Wir begegnen einem Inspector Langton – sein Pendant ist Lestrate.
Der Verlauf des Romans erinnert an die Geschichten „Der Hund von Baskerville“; „Der sterbende Detektiv“ …
Damit ist auch der letzte Teil der Trilogie (genauso wie die ersten beiden Teile) vor allem Sherlock Holmes Fans zu empfehlen.

Doktor Joseph Bell und Arthur Conan Doyle arbeiteten auch im realen Leben miteinander. Bell gilt als Pionier der Forensik und arbeitete zeitweise in beratender Funktion für Scotland Yard. Er konnte zur Lösung einiger Kriminalfälle beitragen.

ISBN: 978 3 404 17243 6
Verlag: Lübbe

„Das Teufelsloch“ – Antonia Hodgson

hodgsonIm England des Jahres 1727 gab es reine Schuldgefängnisse. Diese funktionierten jedoch etwas anders, als wir uns heute ein Gefängnis im herkömmlichen Sinne vorstellen.
„The Marshalsea“ war eines dieser berüchtigten Anstalten. Hierher entführt uns Antonia Hodgson. Auf historischen Fakten basierend – selbst die meisten Figuren ihres Romanes entspringen Tagebuchaufzeichnungen und Berichten aus jenen Tagen – zieht der Kriminalroman den Leser in ein unglaubliches Abenteuer.

„So gut, dass man sich fragt, ob Antonia Hodgson selbst im „Marshalsea“ gesessen hat …“ (Historical Novel Society)

Tom Hawkins ist immer knapp bei Kasse. Sein Geld verschwindet oft schneller, als er es in der Hand hat. Frauen, Glücksspiel, Bier und lange Abende lassen den eingenommenen Segen schnell verschwinden. Und doch liebt er dieses Leben. Niemals möchte er so werden wie sein Vater: Ein ehrbarer Landpfarrer. Allein dieser Gedanke lässt ihn frösteln.
Doch irgendwann ist es soweit: Die Schulden übersteigen seinen Lebenstil, er landet im „Marshalsea“ – Londons berühmt berüchtigtes Schuldgefängnis (->wikipedia).
Doch selbst hier benötigt man Geld, um zu überleben. Also verdingt er sich als Ermittler, mit dem Auftrag, einen Gefängnismord aufzuklären, der die Insassen in den Wahnsinn treibt. Sein Zimmergenosse Fleet ist von der Idee hellauf begeistert, versucht er doch schon seit einiger Zeit den Mörder auf seine Weise zu entlarven.
Doch Tom muss genau überlegen, was er Fleet anvertrauen kann, da die meisten seiner Mithäftlinge Fleet für den Täter halten.

Ein Roman, der uns in unbekannte Welten mitnimmt, basierend auf historischen Tagebuchaufzeichnungen und Berichten. „Etwas definitiv Neues auf dem Feld der historischen Spannung.“ (Daily Express)

Für alle Leser, die auf der Jagd nach Schätzen, Lesestoff abseits des Mainstreams sind. Für Leser, die historische Kriminalromane mögen und sich darin verlieren.

ISBN: 978 3 426 51506 8
Verlag: Knaur