Kategorie: Abenteuer

Freitagnachmittag oder Feiertagsvorfreuden

Eine kleine Satire

Arbeitsschluss. Die Werkssirene verkündete den Beginn der Freizeit. Zwanzig Minuten später saß ich in meinem Wagen. Einkaufen sollte ich. Wo war nur diese Liste geblieben? Meine Frau hatte gestern Abend alle Vorratsschränke durchforstet auf der Suche nach fehlenden Lebensmitteln – ein Paradoxon.
Ich fand den unscheinbaren Zettel, startete das Fahrzeug und reihte mich ein in diese Blechlawine, deren Ende nicht einmal am Horizont zu sehen war. Seltsamerweise wollten alle – nur wenige Automobilisten fuhren vorbei – zu demselben Supermarkt, den auch ich ansteuerte. Der Begriff Supermarkt klingt irgendwie zu wenig für das Angebot jenes allumfassenden, Waren aus aller Welt anpreisenden Tempels des Einkaufsrausches.
Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich einen Parkplatz in weiter Ferne fand. Nun stand das nächste Problem an: Die Garagen jener vierrädrigen Drahtkorb-Schiebvorrichtungen, die benötigt werden, um den frisch erworbenen Alltagskrempel in dem fahrbaren Untersatz zu verstauen, waren leer. Das habe ich noch nie erlebt. Da fiel es mir ein: Am Samstag und der folgende Montag sind Feiertage, die Geschäfte geschlossen. Die Menschheit muss drei Tage überleben!
Ich hatte Glück. Zufällig tauchte ein Bekannter neben mir auf, sein Einkaufsgefährt beladen mit drei Kästen Bier. „Du hast wohl eine Feier auszurichten?“ – „Nein. Das Bier ist im Angebot. Es gibt tatsächlich Leute, die nur eine oder zwei Flaschen davon kaufen. Kannst du dir das vorstellen?“
Ich übernahm seinen Einkaufswagen. Auf ins Getümmel!
Hinter der Drehtür, die stockte, da jemand in die Tür drängte, obwohl diese eigentlich schon so gut wie zugefahren war, empfing mich ein Stimmengewirr in der Lautstärke startender Flugzeuge.
Jeder schien es eilig zu haben. Es wurde gedrängelt, geschoben, Einkaufswagen fuhren ineinander, Angestellte zeichnete der Stress.
Trotz aller Hektik entdeckte ich einen älteren Herrn, der es sich nicht nehmen ließ, vor einem Zeitungsregal stehend, ein Tageblatt von vorn bis hinten durchzulesen um es danach sorgsam zusammenzufalten und ins entsprechende Fach zurückzulegen.
Plötzlich schrie mich ein kleiner Mann an, forderte mich auf, doch einmal diesen guten Wein aus Frankreich zu probieren. Diese Flasche sei am besten in Verbindung mit einem guten Käse zu genießen. Als ich mich von dem Schreck erholte, registrierte ich, der Mann war gar nicht so klein, er betrieb Werbung, gesendet über einen Bildschirm, den man im Regal platziert hatte.
Vor dem Wurst und Fleischstand drängte sich ein Knäuel aus Einkaufskörben und Menschen. Der Anblick erinnerte mich an diese Rätselbilder, bei denen man einen Weg durch das Labyrinth finden musste.
Irgendjemand verlangte fünfzig Gramm Leberwurst. Eine der Verkäuferinnen hinter der Theke fragte: „ … im Stück oder geschnitten?“ Hoffentlich sprach sie mit einem anderen Kunden, grinste ich vor mich hin, das Bild eines Schnippselchens dieser Streichwurst und eines Messers vor Augen. Da sollte man Wachspapier dazwischen legen, damit die Wurst nicht wieder zusammenpappt.
Es dauerte nicht lange bis ich mich in einer nicht enden wollenden Schlange vor einer der zehn Kassen wiederfand. Verwundert betrachtete ich die turmhoch beladenen Einkaufswagen um mich herum. Ihre Lenker gaben schwindelerregende Summen aus. Ich sah in meinen Wagen: Verschwindend wenig befand sich darin. Es ging nur darum, unsere Vorräte aufzufüllen.
Die Kassiererin schob meine Waren über den Scanner. Sie war müde, blass. Die Schikanen dieser Schicht standen ihr ins Gesicht geschrieben. Plötzlich sah sie auf: „Ist das alles?“ – „Ja. Oder steht eine Lebensmittelknappheit bevor, die Menschen zu Hamsterkäufen veranlasst?“ Sie lachte schallend. Ich zahlte und quälte mich durch den endlosen Strom blecherner Karossen nach Hause.

„Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ – Jean – Francois Parot

Paris 1761: Der junge Nicolas Le Floch ist neu in der Stadt angekommen. Fasziniert vom bunten Treiben, dem Leben in der großen Stadt, sieht er sich plötzlich einer Herausforderung gegenüber, die es in sich hat.
Nicolas Le Floch wird beauftragt herauszufinden, in wie weit ein Polizeibeamter in gwisse korrupte Machenschaften verstrickt ist. Doch plötzlich verschwindet der verdächtige Beamte und bald deutet auch alles auf schwere Verbrechen hin.
Die Nachforschungen führen Le Floch durch Spelunken, Abdeckereien, Bordelle und Verliese der Bastille.

Der Roman ist ein Abenteuer. Zusammen mit Commissaire Le Floch durchstreift der Leser das alte Paris und lernt, genauso wie der junge Nicolas, die Stadt kennen.
Empfehlen kann man das Buch allen Lesern von historischen Romanen/ Krimis.
Der Werbeslogen für das Buch: „Ein neuer Maigret ist geboren“ ist völlig falsch und oberflächlich. Mit Maigret hat weder das alte Paris, in dem dieser Roman spielt, etwas zu tun, noch hat Commissaire Le Floch irgendwelche Gemeinsamkeiten mit Simenons bekanntester Hauptfigur.

„Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ ist der erste Band aus der historischen Krimireihe um Nicolas Le Floch.

ISBN: 978 3896675736
Verlag: Karl Blessing
Übersetzt aus dem Französischen von Michael von Killisch – Horn

„Die goldene Stadt“ – Sabrina Janisch

Peru 1887: Ein Gerücht geht um. Augusto Berns will El Dorado, die verlorene Stadt der Inka entdeckt haben.
Wer ist der Mann? Woher kam er?

Erst vor kurzem erfuhr man, dass das sagenumwobene Machu Piccu in Peru von einem deutschen Abenteurer entdeckt wurde. Sabrina Janisch erzählt in ihrem plastisch und fantastisch (dennoch historisch korrekt) anmutendem Roman aus dem aufregendem Leben des Abenteurers.

Das Buch ist ein Erlebnis, lässt den Leser in exotische Welten eintauchen, zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.

ISBN: 978 3 871 34838 9
Verlag: Rohwolt

„Die Flut des Feuers“ – Amitav Ghosh

die-flut-des-feuers„Die Flut des Feuers“ ist der dritte und letzte Band der Ibis – Trilogie. Die Romane spielen in Britisch – Indien und Südchina in den Jahren zwischen 1838 bis 1842. Alle Romane lassen sich auch unabhängig von einander lesen, sie sind in sich geschlossen. Wer Wert auf den historischen Hintergrund legt, sollte die Trilogie jedoch im Ganzen und der Reihenfolge nach lesen.

Die ersten beiden Romane „Das mohnrote Meer“ und „Der rauchblaue Fluß“ beschäftigen sich mit dem Mohnanbau und den Opiumgeschäften zwischen Kalkutta (Britisch – Indien) und der chinesischen Provinz Kanton.
„Die Flut des Feuers“ beschreibt die Geschichte der Opiumkriege und deren verheerende Niederlage für China. Die Folge daraus war die Annektierung Hongkongs durch Großbritanien.
Der Leser verfolgt das Schicksal von Kesri Singh, einem Kommandanten der britisch – ostindischen Armee; Zachary Reid, ein verarmter Seemann, auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe und Shirin Moddie, die um die Hinterlassenschaften ihres gestorbenen Ehemannes, ein Opiumhändler, kämpft.

Trotz seiner Detailfreude ist der Roman so atmosphärisch dicht gezeichnet – man glaubt, neben den kampfesmutigen Soldaten durch die Reisfelder zu stapfen, die Feuchtigkeit des kniehohen Schlamms an den Beinen zu spüren, hört die Kanonenkugeln einschlagen, sieht stolze Kriegsschiffe ihre Bahnen ziehen.

ISBN: 978 3 89667 361 9
Verlag: Karl Blessing

Ibis – Trilogie Band 1
„Das mohnrote Meer“

das-mohnrote-meerKurzbeschreibung (von amazon.de):
1838: Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der »Ibis«, einem ehemaligen Sklavenschiff. Die »Ibis« ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. Und hinter der Mündung des Ganges wartet die Ungewissheit. Unterdrückung und Kolonialismus, das Aufeinanderprallen von Kulturen, Liebe und Hass sind die großen Themen bei Ghosh. Spannendes soziales Drama und literarischer Abenteuerroman zugleich.

Die junge Diti lebt und arbeitet mit ihrer 6-jährigen Tochter Kabutri und ihrem Mann Hukam Singh auf einer Mohnfarm. Diti hat Tagträume, Visionen, in denen sie ein Schiff unter Segeln sieht, das den Fluss herauf kommt. Noch nie war sie am Meer, am »Schwarzen Wasser«, und kann sich die Vision nicht erklären. Doch sie ahnt, dass sie vor einer großen Veränderung in ihrem Leben stehen könnte.
Bis zum Tag der arrangierten Hochzeit mit Diti hat Hukam seine Opiumsucht verschwiegen, die ihn längst zeugungsunfähig gemacht hat. Diti erfährt, dass sie in der Hochzeitsnacht unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt wurde. Als Hukam nach einem Unfall in der Fabrik stirbt, will Diti sich deshalb lieber verbrennen lassen, als mit ihrem Schwager zusammenzuleben. In letzter Sekunde wird sie von dem Unberührbaren Kalua gerettet und die beiden fliehen auf dem Ganges stromabwärts nach Kalkutta. Als sie nach einer abenteuerlichen Reise dort ankommt, erblickt sie das Schiff aus ihren Visionen und versteht endlich, dass sie als Teil einer Schicksalsgemeinschaft das Land und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wird.

Ibis – Trilogie Band 2
Der rauchblaue Fluss“

der-rauchblaue-flussKurzbeschreibung (von amazon.de):
Kanton 1838: Über den Perlfluss gelangen Handelsschiffe aus ganz Asien und Europa in die chinesische Hafenstadt, um Waren aus aller Welt zu vertreiben. Darunter sind auch der britische Botaniker Fitcher Penrose, der hofft, hier eine geheimnisvolle Pflanze zu finden, und der indische Händler Bahram, der sich mit dem Verkauf von Opium von der reichen Reederfamilie seiner Frau unabhängig machen will. Die Geschäfte laufen gut, doch dann will der chinesische Kaiser den Opiumhandel verbieten. Und auf einmal stehen alle Zeichen auf Krieg.