„Der Perser“ – Alexander Ilitschewski

der-perserIm Mittelpunkt dieses bildgewaltigen, enzyklopädischen Romanes steht ein junger Geologe, ein Erdölexperte. Geboren im heutigen Aserbaidschan, früher Sowjetunion, floh er mit seinen Eltern nach dem Zusammenbruch der SU nach Moskau. Als er dann alt genug war, wanderte Ilja nach Kalifornien aus.
Er arbeitet für einen großen internationalen Konzern. Ein neuer Auftrag lässt ihn in seine alte Heimat zurückkehren, nach Baku und der aserbaidschanischen Halbinsel Abseron am kaspischen Meer. – Dem Standort der Ölförderung seit den Zeiten Nobels und den Rothschilds. Er findet die ehemals sowjetischen Ölförderanlagen nun in der Hand amerikanischer und arabischer Firmen vor.
Ilja trifft seinen alten Freund Hasam wieder. Dieser ist nun Ornithologe, beschäftigt sich vor allem mit Falken im Naturschutzgebiet Schirwan nahe der iranischen Grenze. Außerdem ist Iljas Jugendfreund Künstler, Heiler – ein Derwisch.
Hasams Lebensweise, sich der Natur und der Spiritualität vollkommen hinzugeben, lässt Ilja an seiner eigenen Existenz zweifeln.

Der Roman erzählt von einem islamischen Randgebiet in einer (offiziell) atheistischen Sowjetunion. Der Autor lädt zu ausufernden Exkursionen in die Geschichte Bakus und der Halbinsel Abseron. Vieles lässt sich aus diesem Buch erfahren: Erdölförderung; die Brüder Ludvig und Robert Nobel in Baku; das Geld der Rothschilds und Rockefellers; Ölkriege und Stalin …
Es ist, als würde man mehrere Bücher mit einem Mal lesen: Ein bunter Flickenteppich aus Gegenwart, Vergangenheit, Natur, Geografie und Geologie.
Der Roman präsentiert sich wie ein Fotoalbum, gefunden auf einem verlassenen Dachboden, dessen Bilder von einem Land erzählen, von dem ich als Leser verwundert feststelle: Wieso wissen wir so wenig darüber?

ISBN: 978 3 518 42499 5
Verlag: Suhrkamp

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