„Feindliche Welt“ – Luiz Ruffato

2. Band des Romanzyklus „Vorläufige Hölle“
Der alte Zé Pinto weigert sich, zu sterben. Während er sich im Dämmerlicht billiger Videofilme hartnäckig ans Leben klammert, wartet der Neffe darauf, endlich dessen Lebenswerk, die »Gasse«, eine Ansammlung von Armenbehausungen, abreißen zu können. Alles zerfällt. Aus São Paulo kommen die Jungen zurück, stolz die einen im VW-Käfer, der Wohlstand vorgaukelt, zumeist gescheitert die anderen. Auf der Suche nach dem, was geblieben ist von der Familie, die »alles (war), was wir nicht hatten«.

Zé Pintos Gasse, eines der Armenviertel der Textilindustriestadt Cataguases im Landesinneren Brasiliens, ist Dreh- und Angelpunkt dieses zweiten Teils des Romanzyklus »Vorläufige Hölle«. Sie ist Zwischenstation und vorübergehende Heimat derjenigen, die aus dem kargen, archaischen Leben auf dem Land in das Elend der Städte ziehen. Wohnstätte der Dienstboten und Industriearbeiter, Ausgangspunkt der nächsten Migration. Ziel der vergeblichen Rückkehr. Wie schon »Mama, es geht mir gut« ist auch dieser Roman ein sorgsam zerrissenes Gewebe aus Geschichten und Gedanken, aus Vergangenem und schüchternen Ausblicken in die Zukunft. Die Erzählstränge sind ineinander verwoben, manchmal begegnen sie sich, manchmal laufen sie nebeneinander her.

Mit geradezu körperlicher Empathie stellt Luiz Ruffatos Projekt einer Geschichte des brasilianischen Proletariats Individuen in den Vordergrund, die umgeben von einer großen und feindlichen Welt im Sog der Geschichte zu überleben versuchen.
(Inhalt: Verlagswebseite)

Mein Eindruck: Genauso wie im ersten Teil der Romanreihe „Mama, es geht mir gut“ muss sich der Leser auf Zeitsprünge, auf Sprünge in der Erzählweise einlassen.
Der Roman, ein bunter Flickenteppich aus Gedanken, Kurzgeschichten, Szenen, Episoden liest sich stellenweise wie ein Notiz- oder Tagebuch.
Trotzdem zieht das Buch den Leser in seinen Bann. Hautnah erlebt man mit, wie die Zeit die Armenbevölkerung einholt, ganze „Wohngassen“ dem Wohlstand weichen müssen.
Die Modernität überholt alte Lebensgewohnheiten wie sie der erste Band beschreibt. Und doch bleibt die Armut, wird sogar noch schärfer …

ISBN: 978 3 86241 430 7
Verlag: Assoziation A
aus dem Portugiesischen von Michael Kegler

„Vorläufige Hölle“
1. Band: „Mama, es geht mir gut“
erschienen 2013
2. Band: „Feindliche Welt“
erschienen 2014
3. Band: „Teilansicht der Nacht“
erschienen 2017
4. Band: noch nicht erschienen
5. Band: noch nicht erschienen

„Mama, es geht mir gut“ – Luiz Ruffato

1. Band des Romanzyklus „Vorläufige Hölle“
Ein brutaler Familienpatriarch, der mit Axthieben und Brandrodung das Land urbar macht und seine junge Frau »an die Nabelschnur endloser Schwangerschaft« fesselt. Eine unter Schmerzen sterbende Frau. Ein Sohn, der in einem Dialog mit seiner Mutter die Vergangenheit Revue passieren lässt. Ein Mann, der sich eines Verbrechens schuldig fühlt, das er vielleicht gar nicht begangen hat. Ein verschwundener Ehemann. Ein Lehrer, der ein schreckliches Geheimnis hütet. Schonungslos beschreibt Luiz Ruffato die Härte, die Entbehrungen und die Grausamkeit des Landlebens, das die Welt italienischer Einwandererfamilien im Hinterland der Berge von Minas Gerais in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts prägt.

Es ist diese Enge und Bedrängtheit des Lebens, der die heranwachsenden Jugendlichen zu entfliehen suchen. Sie machen sich auf in ein vermeintlich besseres Leben, in die nächste Kleinstadt, dann nach Rio oder São Paulo. Den erdverbundenen Werten der Alten, die in einem Tal hinter der Staubstraße eine Heimat gefunden haben, steht die Faszination der Jungen für die Lichter des Fortschritts gegenüber. Die Träume sind bescheiden, Worte werden nur wenige gewechselt, die weite Welt reicht zunächst nur bis zur nächstgrößeren Ansiedlung.

Das Buch bildet den Auftakt des Romanzyklus »Vorläufige Hölle«, mit dem Ruffato den Armen, den einfachen Leuten, den Migranten eine Stimme verleiht. Er hebt sie aus ihrer literarischen Vergessenheit und lässt so die Geschichte des brasilianischen Proletariats wiederauferstehen. Innere Monologe wechseln mit poetischen Passagen, mit Szenen von dramatischer Intensität. Unprätentiös, frei von Sozialromantik und auf höchstem literarischen Niveau. Ruffatos Saga des proletarischen Brasilien ist nüchtern, schmerzhaft und kompromisslos.

Die Übersetzung wurde von litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. sowie dem brasilianischen Kulturministerium gefördert.
(Inhalt: Verlagswebseite)

Mein Eindruck: Der Roman lässt mich einigermaßen ratlos zurück. Nicht, was den Inhalt betrifft. Es ist der Stil, der mich verblüfft. Mal gibt es eingeschobene Szenen, die Kursiv gedruckt, dann wieder Szenen, die fett gedruckt sind. In beiden Varianten wird in der Zeit oder die erzählende Sichtweise gewechselt, gesprungen. Es gibt Sätze, die nicht enden, nur andeuten.
Trotzdem ist der Inhalt zu erfassen, nicht so leicht, manchmal stellt sich die Frage, wer gerade spricht. Es ist, als müsste man sich beim Lesen detektivisch beweisen, ähnlich wie bei Gabriel Garcia Marquez.
Gerade deshalb öffnet sich der Blick auf die Lebensweise der armen Bevölkerung Brasiliens.

Wer sich diesem Roman (-zyklus) öffnet, findet eine Welt vor, für uns völlig fremd, kaum vorstellbar. – Unbedingte Leseempfehlung!

ISBN: 978 3 862 41421 5
Verlag: Assoziation A
aus dem Portugiesischen von Michael Kegler

„Vorläufige Hölle“
1. Band: „Mama, es geht mir gut“
erschienen 2013
2. Band: „Feindliche Welt“
erschienen 2014
3. Band: „Teilansicht der Nacht“
erschienen 2017
4. Band: noch nicht erschienen
5. Band: noch nicht erschienen

„Blade Runner“ – Philip K. Dick

„Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ – diese Frage stellte sich Philip K. Dick im Titel seines 1968 erschienen Romans. Ridley Scott hat daraus den Film „Blade Runner“ gemacht, der 1982 in die Kinos kam. Roman wie Film erzählen die Geschichte des Kopfgeldjägers Rick Deckard, der Jagd auf künstliche Menschen macht.
Im Buch geht es allerdings um weit mehr: Auf einer von einem Atomkrieg verseuchten Welt sind künstliche Tiere zu Statussymbolen geworden, eine „Mercertum“ genannte Fernsehreligion treibt ihr Unwesen und sogenannte „Stimmungsorgeln“ manipulieren die Gefühle der Menschen. Und nicht nur Androiden werden auf Empathie getestet …
(Quelle: Schutzumschlag)

Philip K. Dick zeichnet ein düsteres Zeitalter. In der Zeit, als Dick diesen Roman verfasste, stand die Welt nicht nur einmal vor einer Atomkatastrophe, so dass seine Vision eines Atomkrieges nicht so weit hergeholt war.
Immer wieder gibt es auf der Erde „schwarze Wolken“, die radioaktiven Niederschlag verursachen. Die Menschheit ist auf andere Planeten geflohen, nur wenige sind geblieben. Einige wurden als „Speciale“ klassifiziert. Das sind Menschen, deren Erbgut durch den radioaktiven Fallout zerstört wurde. Sie dürfen nicht „auswandern“. Wenn diese „Speciale“ durch einen Intelligenztest gefallen sind, werden sie „Spatzenhirn“ genannt und haben nur noch wenige Rechte.
Im Mittelpunkt des Romanes steht der Kopfgeldjäger Rick Deckard. Seine Aufgabe ist es, menschliche Roboter auszuschalten. Diese werden produziert, um der Menschheit, die auf anderen Planeten lebt, im Alltag behilflich zu sein. Doch manchmal werden auch Androiden straffällig und flüchten auf die Erde. Um solche Roboter zu erkennen, unterzieht sie Deckard einem Test, bei dem das Erröten des Gesichtes, der Puls und die Reaktionen seines Gegenübers, ähnlich einem Lügendetektor, gemessen werden. Allerdings sind die Androiden der neuesten Generation mit einer „Nexus-6-Hirneinheit“ ausgestattet. Sein Testverfahren ist nur noch bedingt zuverlässig …

Der Roman „Blade Runner“ ist sehr tiefgründig, stellenweise verängstigend. Er wirft viele Fragen nach der Menschlichkeit, dem gesellschaftlichen Zusammenleben, nach Manipulationen der Menschen untereinander – geistig wie körperlich und den Möglichkeiten der Technik auf.

ISBN: 978 3 596 29770 2
Verlag: Fischer TOR
Neu übersetzt von Manfred Allié

Freitagnachmittag oder Feiertagsvorfreuden

Eine kleine Satire

Arbeitsschluss. Die Werkssirene verkündete den Beginn der Freizeit. Zwanzig Minuten später saß ich in meinem Wagen. Einkaufen sollte ich. Wo war nur diese Liste geblieben? Meine Frau hatte gestern Abend alle Vorratsschränke durchforstet auf der Suche nach fehlenden Lebensmitteln – ein Paradoxon.
Ich fand den unscheinbaren Zettel, startete das Fahrzeug und reihte mich ein in diese Blechlawine, deren Ende nicht einmal am Horizont zu sehen war. Seltsamerweise wollten alle – nur wenige Automobilisten fuhren vorbei – zu demselben Supermarkt, den auch ich ansteuerte. Der Begriff Supermarkt klingt irgendwie zu wenig für das Angebot jenes allumfassenden, Waren aus aller Welt anpreisenden Tempels des Einkaufsrausches.
Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich einen Parkplatz in weiter Ferne fand. Nun stand das nächste Problem an: Die Garagen jener vierrädrigen Drahtkorb-Schiebvorrichtungen, die benötigt werden, um den frisch erworbenen Alltagskrempel in dem fahrbaren Untersatz zu verstauen, waren leer. Das habe ich noch nie erlebt. Da fiel es mir ein: Am Samstag und der folgende Montag sind Feiertage, die Geschäfte geschlossen. Die Menschheit muss drei Tage überleben!
Ich hatte Glück. Zufällig tauchte ein Bekannter neben mir auf, sein Einkaufsgefährt beladen mit drei Kästen Bier. „Du hast wohl eine Feier auszurichten?“ – „Nein. Das Bier ist im Angebot. Es gibt tatsächlich Leute, die nur eine oder zwei Flaschen davon kaufen. Kannst du dir das vorstellen?“
Ich übernahm seinen Einkaufswagen. Auf ins Getümmel!
Hinter der Drehtür, die stockte, da jemand in die Tür drängte, obwohl diese eigentlich schon so gut wie zugefahren war, empfing mich ein Stimmengewirr in der Lautstärke startender Flugzeuge.
Jeder schien es eilig zu haben. Es wurde gedrängelt, geschoben, Einkaufswagen fuhren ineinander, Angestellte zeichnete der Stress.
Trotz aller Hektik entdeckte ich einen älteren Herrn, der es sich nicht nehmen ließ, vor einem Zeitungsregal stehend, ein Tageblatt von vorn bis hinten durchzulesen um es danach sorgsam zusammenzufalten und ins entsprechende Fach zurückzulegen.
Plötzlich schrie mich ein kleiner Mann an, forderte mich auf, doch einmal diesen guten Wein aus Frankreich zu probieren. Diese Flasche sei am besten in Verbindung mit einem guten Käse zu genießen. Als ich mich von dem Schreck erholte, registrierte ich, der Mann war gar nicht so klein, er betrieb Werbung, gesendet über einen Bildschirm, den man im Regal platziert hatte.
Vor dem Wurst und Fleischstand drängte sich ein Knäuel aus Einkaufskörben und Menschen. Der Anblick erinnerte mich an diese Rätselbilder, bei denen man einen Weg durch das Labyrinth finden musste.
Irgendjemand verlangte fünfzig Gramm Leberwurst. Eine der Verkäuferinnen hinter der Theke fragte: „ … im Stück oder geschnitten?“ Hoffentlich sprach sie mit einem anderen Kunden, grinste ich vor mich hin, das Bild eines Schnippselchens dieser Streichwurst und eines Messers vor Augen. Da sollte man Wachspapier dazwischen legen, damit die Wurst nicht wieder zusammenpappt.
Es dauerte nicht lange bis ich mich in einer nicht enden wollenden Schlange vor einer der zehn Kassen wiederfand. Verwundert betrachtete ich die turmhoch beladenen Einkaufswagen um mich herum. Ihre Lenker gaben schwindelerregende Summen aus. Ich sah in meinen Wagen: Verschwindend wenig befand sich darin. Es ging nur darum, unsere Vorräte aufzufüllen.
Die Kassiererin schob meine Waren über den Scanner. Sie war müde, blass. Die Schikanen dieser Schicht standen ihr ins Gesicht geschrieben. Plötzlich sah sie auf: „Ist das alles?“ – „Ja. Oder steht eine Lebensmittelknappheit bevor, die Menschen zu Hamsterkäufen veranlasst?“ Sie lachte schallend. Ich zahlte und quälte mich durch den endlosen Strom blecherner Karossen nach Hause.

„Das Ende der Menschheit“ – Stephen Baxter

Klappentext: Vor vierzehn Jahren haben die Marsianer die Erde angegriffen. Vor vierzehn Jahren wurden sie geschlagen. Vernichtend, wie man glaubt. Seither herrschen Frieden und Wohlstand. Allein der Schriftsteller Walter Jenkins befürchtet eine erneute Invasion – und er soll recht behalten. Die Marsianer kehren zurück. Und sie wollen nur eines: Rache.

Meine Meinung: Ich bin immer skeptisch, wenn es darum geht, Klassiker neu aufleben zu lassen, oder Fortsetzungen zu präsentieren. Meine Neugier sollte mich in diesem Fall nicht enttäuschen.
Das Buch baut auf H.G.Wells „Krieg der Welten“ auf. Man sollte Wells Vision gelesen haben, bevor Baxters Buch überhaupt in Frage kommt.
„Das Ende der Menschheit“ setzt vierzehn Jahre nach dem vernichtenden Schlag gegen die Marsianer ein. Wir befinden uns im Jahr 1920. Natürlich ist das Leben seit dem ersten Marskrieg anders verlaufen, als wir es aus der Geschichte kennen. Und doch gibt es immer wieder Hinweise auf den ersten Weltkrieg und andere politische Ereignisse in jener Zeit. Die Welt, die Baxter in seinem Roman beschreibt, ist also nicht so fremd. Sie ist nur folgerichtig angepasst nach einem Krieg gegen eine außerirdische Zivilisation, die ursprünglich auf die Erde kam, um Rohstoffe für ihre Bedürfnisse zu beschaffen. Diese Konfliktsituation kommt uns auch heute noch bekannt vor: Denken wir nur an Erdöl.
In „Das Ende der Menschheit“ treffen wir auf viele Figuren aus Wells Roman. Außerdem begegnet der Leser einigen historischen Personen, näheres möchte ich hier nicht verraten.
Faszinierend finde ich den Stil, in dem Baxter seine Geschichte erzählt. Es ist, als würde man Wells lesen. Etwa so, als würde Wells sagen: „Mir ist da noch etwas eingefallen …“ Trotzdem ist der typische Baxter-Stil vorhanden. – Eine gelungene Verschmelzung.

Fazit: „Das Ende der Menschheit“ ist ein absolutes Muss für alle Fans von H.G.Wells. Voraussetzung für das Lesen und das Verständnis dieses Romanes ist allerdings das Kennen von H.G.Wells „Krieg der Welten“ (Roman – keine Filmadaption)

ISBN: 978 3 453 31845 8
Verlag: Heyne
Aus dem Englischen von Peter Robert

„Karpathia“ – Mathias Menegoz

Klappentext: Graf Alexander Korvanyi und seine Frau Cara kehren Wien 1833 den Rücken und wagen einen abenteuerlichen Neuanfang in Transsilvanien. Die gewaltige, seit Jahrzehnten vernachlässigte Burg und das Lehngut der Familie sind Teil einer rauhen Welt, die ungeahnte Gefahren birgt. Binnen kürzester Zeit bringt der Herrschaftsanspruch des ehrgeizigen Grafen das fragile Gleichgewicht zwischen den Völkern ins Wanken bis die Katastrophe unaufhaltsam scheint …

Mein Eindruck: In diesem Roman geht es nicht um jene voreingenommene Gedanken, die uns befallen, sobald wir von Transsilvanien sprechen.
Hier geht es um einen reinen historischen Roman, vollgepackt mit allem Wissen aus jener Zeit. Stellenweise glaubt man, ein Lehrbuch zu lesen.
Sicherlich ist es spannend zu erfahren, welcher Fluch auf den Besitztümern des Grafen seit dem Walachenaufstand 1784 lastet.
Interessanter fand ich die Konflikte zwischen dem ungarischen Adel und den rumänischen Leibeigenen. Es herrscht ein undurchschaubares Geflecht aus alten Feindschaften, verschiedenen Religionen und Aberglauben. Auf dem Lehnsgut leben Magyachen, Walachen und Sachsen. In bestimmten Jahreszeiten kommen noch Zigeuner hinzu …
Betrachtet man die Völkerwanderungen der Neuzeit, so bekommt der Roman einen ungeahnten modernen Anstrich.

ISBN: 978 3 627 00238 1
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse

Film: „Attraction“

Ein außerirdisches Raumschiff nähert sich der Erde und gerät in Schwierigkeiten, nachdem die Menschheit das Objekt entdeckte.
Aus Angst vor dem Fremden wird der Befehl des Abschusses gegeben und ausgeführt. In der Folge stürzt das rießige Schiff auf Moskau und verwüstet große Teile der Stadt.
Das Territorium um das abgestürzte Objekt wird abgeriegelt, der Ausnahmezustand ausgerufen. Die Außerirdischen verlangen, ihr Schiff in Ruhe instand setzen zu dürfen – ohne menschliches Zutun.
Es gibt aber immer wieder radikele Gruppen, die sich gewissen gesellschaftlichen und politischen Zwängen widersetzen …

Der Film ist ähnlich aufgebaut wie viel andere Science Fiction aus dem ehemaligen Ostblock (z.B. die Romane der Brüder Strugatzki oder die Bücher von Stanislaw Lem): Viel Abenteuer, die gewisse Kritikpunkte an der Gesellschaft, an der Politik, verdeckt oder erst nach dem zweiten Blick offensichtlich werden lässt.
Ein empfehlenswertes Filmabenteuer.

Schauspieler:
Oleg Menschikow
Alexander Petrow
Irina Starschenbaum
Rinal Mukhametow

Regisseure:
Fedor Bondarchuk
Fyodor Bondarchuk

„Freitags im Enricos“ – Don Carpenter

In den wilden Tagen der Beat Generation trifft sich die Bohème von San Francisco jeden Abend in den Bars von North Beach, um nächtelang zu trinken und zu diskutieren. Die jungen Schriftsteller sind voller Tatendrang und Lust, das Leben in all seinen Facetten zu ergründen. Der Roman fängt nostalgisch eine Epoche ein, in der alles möglich schien und die Welt sich dennoch weiterdrehte.
(Inhaltsangabe: Schutzumschlag)

Mein Eindruck: Ein Stück Lebensphilosophie.
Der Roman spiegelt eine ganze Generation, deren Leben, deren Träume. Es geht um eine Gruppe junger Literaten und jenen, die es werden wollen.

>>Während ganz Kalifornien dem Sommer der Liebe entgegenfiebert, ringen vier aufstrebende Literaten um ihren ganz persönlichen Erfolg: Die 19-jährige Jaime ist die Tochter eines Journalisten und hat das Schreiben im Blut. Ganz im Gegensatz zu ihrem Verlobten Charlie, einem Veteran aus Korea, der verbissen an seinem großen Kriegsepos arbeitet. Die beiden sind befreundet mit dem Müßiggänger Dick, der sich auf dem Erfolg einer einzigen Kurzgeschichte ausruht, die der Playboy veröffentlicht hat. Eines Nachts gesellt sich der Einbrecher und Juwelendieb Stan zu ihnen, der ein außergewöhnliches Talent für das Verfassen von Groschenromanen offenbart. Gemeinsam lachen und streiten sie, ohne zu merken, dass um sie herum eine Dekade zu Ende geht.<<
(amazon.de)

Mithilfe von bildhaften, ausgemalten Szenen gelingt es dem Autor, das Fühlen und Denken jener Generation festzuhalten. Und doch geht vieles, was hier als Lebensalltag beschrieben ist, nahe. Ist es doch so, dass das Leben als solches, Szenen des Lebens, sich in vielen Lebensläufen wiederfinden. Sei es damals oder heute.

Der Roman ist nicht nur spannend und anders, er verkörpert das Leben vor einer viel zu hektischen und technisierten Zeit.

ISBN: 978 3 608 96079 2
Verlag: Klett – Cotta
Übersetzt von Bernhard Robben

„Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ – Jean – Francois Parot

Paris 1761: Der junge Nicolas Le Floch ist neu in der Stadt angekommen. Fasziniert vom bunten Treiben, dem Leben in der großen Stadt, sieht er sich plötzlich einer Herausforderung gegenüber, die es in sich hat.
Nicolas Le Floch wird beauftragt herauszufinden, in wie weit ein Polizeibeamter in gwisse korrupte Machenschaften verstrickt ist. Doch plötzlich verschwindet der verdächtige Beamte und bald deutet auch alles auf schwere Verbrechen hin.
Die Nachforschungen führen Le Floch durch Spelunken, Abdeckereien, Bordelle und Verliese der Bastille.

Der Roman ist ein Abenteuer. Zusammen mit Commissaire Le Floch durchstreift der Leser das alte Paris und lernt, genauso wie der junge Nicolas, die Stadt kennen.
Empfehlen kann man das Buch allen Lesern von historischen Romanen/ Krimis.
Der Werbeslogen für das Buch: „Ein neuer Maigret ist geboren“ ist völlig falsch und oberflächlich. Mit Maigret hat weder das alte Paris, in dem dieser Roman spielt, etwas zu tun, noch hat Commissaire Le Floch irgendwelche Gemeinsamkeiten mit Simenons bekanntester Hauptfigur.

„Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ ist der erste Band aus der historischen Krimireihe um Nicolas Le Floch.

ISBN: 978 3896675736
Verlag: Karl Blessing
Übersetzt aus dem Französischen von Michael von Killisch – Horn

„Der Susan – Effekt“ – Peter Hoeg

Wieder stellt Peter Hoeg eine charakterstarke Persönlichkeit in den Vordergrund.

Susan, eine Physikerin und Wissenschaftlerin kehrt mit ihrer Familie aus Indien zurück. Dort gab es einige Vorfälle, die ihren Mann und ihre Kinder mit dem Gesetz in Konflikt geraten ließen.
In Dänemark gelingt es Susan mit dem Außenminister, der sie nach Indien schickte, um dort gewisse wissenschaftlich orientierte Aufgaben zu erledigen, einen Deal zu schließen. Sie verhört bestimmte Personen, die in Verbindung mit einer geheimnisvollen Zukunftsorganisation stehen. Doch das erweist sich als gefährlich: Susan hat eine ungewöhnliche Begabung. Menschen, die sich in ihrer Nähe aufhalten, fühlen sich bewogen, die Wahrheit zu sagen. Plötzlich gerät ihr Leben aus den Fugen …

Der Roman ist ähnlich aufgebaut wie Hoegs Bestseller „Fräulein Smillas Gespür für Schnee„. Es geht um eine charakterstarke Persönlichkeit, die aus der Not heraus gezwungen ist, gegen die Organe des Staates zu kämpfen. Im Hintergrund spielt immer ein gewisser gesellschaftskritischer Ton.

Wer Fräulein Smilla mochte, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Susan ist für mich die zweite Hauptfigur aus Peter Hoegs Kosmos, die mir immer in Erinnerung bleiben wird.

ISBN: 978 3 499 27203 5
Verlag: Rowohlt
übersetzt von Peter Urban-Halle